Projekt
Cargo Sous Terrain: Nationalrat gibt grünes Licht für unterirdischen Gütertransport

Bald schon sollen zahlreiche Güter unterirdisch durch die Schweiz geschickt werden können. Der Nationalrat hat den rechtlichen Rahmen für das Projekt Cargo sous terrain bewilligt. Trotz vieler Zweifel.

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So sollen dereinst die Wagen von Cargo sous terrain aussehen. Das Streckennetz soll 500 Kilometer umfassen.

So sollen dereinst die Wagen von Cargo sous terrain aussehen. Das Streckennetz soll 500 Kilometer umfassen.

Keystone

Auch der Nationalrat gibt dem Projekt Cargo sous terrain Starthilfe. Mit grosser Mehrheit (137 zu 34 Stimmen) hiess er am Montag ein Gesetz gut. Dieses bildet den rechtlichen Rahmen für das Vorhaben von Cargo sous terrain (CST). Die Aktiengesellschaft will bis 2045 ein unterirdisches Transportnetz für kleinteilige Güter schaffen. Auch der Ständerat hatte grundsätzlich bereits Ja zur Vorlage gesagt.

Das Konzept sieht einen unterirdischen dreispurigen Tunnel zwischen wichtigen Logistikzentren im Mittelland und in der Nordwestschweiz vor, der rund um die Uhr in Betrieb ist. Darin sollen Güter mit rund 30 Kilometern pro Stunde transportiert und an Zugangsstellen vollautomatisch mit Liften ins System eingespeist oder entnommen werden. Der Vollausbau soll ein Netz von 500 Kilometern umfassen, die Kosten werden auf 30 bis 35 Milliarden Franken geschätzt. Der Bund wird sich nicht an der Finanzierung beteiligen, dafür aber bei der Koordination helfen und den gesetzlichen Rahmen schaffen. Diese Arbeiten sollen aber auch für andere Anbieter nutzbar sein.

Giezendanner warnt vor dem «Sargnagel»

Zu reden gab in der grossen Kammer unter anderem die Art des Stroms. Die Ratslinke wollte beim Betrieb des Transportsystems nur auf erneuerbarere Energien setzen. Im Güterverkehr brauche es «noch viele Innovationen», sagte Michael Töngi (Grüne/LU). Solche würde CST bieten, aber die Ökobilanz des Projekts hänge direkt von der Koppelung an die erneuerbaren Energien ab. Da die Aktiengesellschaft das bereits plane, könne das auch direkt ins Gesetz geschrieben werden, sagte Jon Pult (SP/GR).

Benjamin Giezendanner (SVP/AG) sprach dagegen von einem möglichen «Sargnagel» für das Projekt. Es sei eine Ungleichbehandlung von unterschiedlichen Transportarten, wenn die Wahlfreiheit der Stromquelle eingeschränkt werde. So wie er sah es auch eine Mehrheit im Rat. Entsprechende Anträge wurden deutlich abgelehnt. Weiterer Streitpunkt waren die Höhe der Entschädigungen bei Enteignungen. Auch hier wollte eine Mehrheit die Voraussetzungen für das Projekt nicht weiter einschränken und lehnte etwa höhere Entschädigungen für Eigentümer ab.

Auch den Cargo sur terrain nicht vergessen

Insgesamt sprach Giezendanner von einer «Pioniertat». So richtig an den Erfolg glaubt er aber nicht und wollte darum auch den Rückbau bei einem allfälligen Scheitern schon geregelt haben. In die gleiche Richtung ging auch Christian Wasserfallen (FDP/BE): «Beim Geschäftsmodell mache ich trotz allen Sympathien schon noch ein paar Fragezeichen.» Bundesrätin Simonetta Sommaruga sagte, dass mit der Vorlage nur der gesetzliche Rahmen geregelt werde. Ob es dann tatsächlich auch realisiert werden könne, sei hier nicht Inhalt. Sie glaubt aber, dass es sich um ein «attraktives Projekt für Investoren» handelt.

Jon Pult erinnerte das Parlament daran, dass Cargo sous terrain zwar ein gutes Projekt sei, zuerst aber «Cargo sur terrain» wichtig sei. «Bis diese unterirdischen Wagen fahren, dauert es noch lange. Zuvor müssen wir die Verlagerung unseres oberirdischen Binnenverkehr konsequent vorantreiben», so Pult. Nächste Station für die Vorlage ist nun erneut der Ständerat. (mg/agl)

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