SBB-Chef Ducrot winkt freudig – Bundesrätin Sommaruga: «Die Neat macht uns stolz und stark»

Der Ceneri-Basistunnel wurde am Freitag nach jahrelangen Bauarbeiten offiziell eröffnet. Unter anderem hielten zwei Bundesräte eine Ansprache im Rahmen des Festaktes. Die Passagiere im Personenverkehr werden erst ab Dezember von der neuen Röhre profitieren.

Gerhard Lob aus Camorino
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Simonetta Sommaruga überliess nichts dem Zufall. Sie trug ein blau-rotes Kleid in den Tessiner Kantonsfarben, als sie am Freitagmittag den Ceneri-Basistunnel gemeinsam mit Bundesrat Ignazio Cassis und dem Tessiner Staatsratspräsidenten Norman Gobbi offiziell eröffnete.

Um 11.33 Uhr rauschte auf dem Viadukt über dem Festzelt der erste Güterzug vorbei, um die neue Röhre zu durchfahren. Ebenerdig warteten ein Giruno-Fernverkehrszug sowie ein Tilo-S-Bahn-Zug.

Das Setting war perfekt. Es unterstrich, dass der Ceneri-Basistunnel für den Güterschienenverkehr, aber auch für den Personenfern- und Nahverkehr von grosser Bedeutung ist. «Die Neue Alpentransversale Neat ist ein Jahrhundertbauwerk, das uns stolz und stark macht», wie Sommaruga betonte. Das Schweizer Volk habe klug und vorausschauend gehandelt, als es 1992 das Projekt Neat an der Urne gutgeheissen habe.

Die besten Bilder zur Eröffnung des Ceneri-Basistunnel:

Der Tunnel ist eröffnet: Dieter Schwank, CEO Alptransit AG, Bundesrat Ignazio Cassis, Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Regierungsrat Norman Gobbi and Vincent Ducrot, CEO SBB.
17 Bilder
Der Tunnel wird um 11 Uhr offiziell eingeweiht.
Viel Politikprominenz, kurz vor der Eröffnung am 3. September.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga würdigt den Basistunnel. (3. September)
Selbstverständlich gehört zu so einer Eröffnungszeremonie auch musikalische Untermalung.
Bundespräsidentin Sommaruga mit den enthusiastischen Musikern.
Futuristisch wirkt der Tunnel, so mitten in der schönen Landschaft.
Vor rund 14 Jahren war der erste Spatenstich, jetzt ist der Tunnel fertig, das wird dementsprechend gefeiert.
Dank des Ceneri-Tunnels kann die Strecke Bellinzona-Lugano in nur acht Minuten überbrückt werden.
Die Streckenlänge beläuft sich auf 15,4 Kilometer.
Diverse Vorkehrungen sorgen für höchste Sicherheit.
Der Tunnel wird hierbei am 13. Dezember in Betrieb genommen.
Er wird für das lokale S-Bahn Netz von erheblicher Wichtigkeit sein.
Neben der lokalen S-Bahn werden auch Fern- und Güterzüge durch den Tunnel fahren.
Gemäss des Projektleiters SBB für die Nord-Süd Achse sei er hierbei «rekordverdächtig sicher».
Vor Inbetriebnahme werden noch diverse weitere Tests durchgeführt.
Für die Medienvertreter wurde am 2. September eine Notfallübung abgewickelt.

Der Tunnel ist eröffnet: Dieter Schwank, CEO Alptransit AG, Bundesrat Ignazio Cassis, Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Regierungsrat Norman Gobbi and Vincent Ducrot, CEO SBB.

Foto: Gaetan Bally / Keystone (03. September 2020)

«Ein historischer Moment für den Kanton mit einer neuen Identität»

«Ein futuristisches Werk, das auch unserer Zugehörigkeit zum europäischen Kontinent festigt», so Aussenminister Cassis. Für Norman Gobbi ist die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels «ein historischer Moment für den Kanton mit einer neuen Identität». Die südlichen und nördlichen Pole rückten innerkantonal näher aneinander, so wie das bereits zwischen der deutschen Schweiz und dem Tessin mit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels 2016 geschehen sei. Ein Bauwerk im Dienst der Umwelt und des Alpenschutzes sowie zur Entlastung der hoffnungslos verstopften Strassen.

Ob letzteres eintritt, wird sich ab Dezember weisen, wenn der Tunnel in Betrieb genommen wird, vor allem aber ab April 2021, wenn der neue Fahrplan im Nahverkehr vollständig umgesetzt wird.

SBB-CEO Vincent Ducrot hat sichtlich Freude an der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels.

SBB-CEO Vincent Ducrot hat sichtlich Freude an der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Nur 50 statt 650 geladene Gäste

Im Vergleich zur Einweihung des Gotthard-Basistunnels, zu dem auch ausländische Staatsgäste wie Angela Merkel eingetroffen waren, fiel das Fest für den Ceneri-Basistunnel wesentlich bescheidener und lokaler aus. Grund dafür war auch die Corona-Pandemie. Nur rund 50 Personen statt der ursprünglich 650 geladenen Gäste waren vor Ort. Eine Art Familienfest, bei dem Dieter Schwank, Chef der AlpTransit Gotthard AG als Bauherrin, den Tunnel offiziell an die SBB als Betreiberin übergab.

Erinnert wurde mehrmals an die beiden Mineure, die während des Baus in Unfällen gestorben waren. Alphornbläser sorgen für die musikalische Einrahmung und den obligatorischen Schweizer Psalm.

Bereits am Donnerstag hatten sich internationale Delegationen der Verkehrsministerien von Italien, Österreich und Deutschland sowie ein EU-Vertreter in Locarno zu Gesprächen getroffen und einen Augenschein beim Nordportal des Ceneri-Basistunnels in Camorino genommen.

Der deutsche Staatssekretär Michael Güntner erklärte, warum es auf den Zulaufstrecken zur Neat in Deutschland zu jahrelangen Verzögerungen kommt: «In Deutschland gibt es berechtigte Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf die Lärmschutz- und Umweltbelastungen; deshalb können wir die Schienenverbindungen zur bauen, wenn wir die Bürger auch mitnehmen; das kostet etwas mehr Geld und Zeit, ist aber in sich richtig.» Zu einem konkreten Datum der Fertigstellung der Verdoppelung der Rheintalstrecke wollte er sich nicht festlegen.

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