Schweizerinnen und Schweizer sollen anders essen: Forschungsprojekt empfiehlt dem Bund eine «Ernährungsstrategie 2050»

Mehr Obst und Gemüse, weniger Fleisch, nachhaltige Produktion im Inland: Forscherinnen und Forscher wollen die Diät der Bevölkerung umstellen. Verantwortlich dafür soll der Bund sein.

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In der Schweiz angebautes Gemüse statt Fleischimporte: Die Schweizer Bevölkerung soll sich nachhaltiger ernähren (Symbolbild).

In der Schweiz angebautes Gemüse statt Fleischimporte: Die Schweizer Bevölkerung soll sich nachhaltiger ernähren (Symbolbild).

Keystone

(wap) Für 13 Millionen Franken untersuchte das Nationale Forschungsprogramm in 26 Studien die Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Gesundheit und Umwelt. Am Donnerstag präsentierte der Nationalfonds das Resultat: Eine Empfehlung an den Bund, die Ernährung der Schweizer Bevölkerung umzustellen. Sie sollen mehr Obst, Gemüse und Nüsse essen, wenn möglich aus nachhaltiger Produktion im Inland. Der Fleischkonsum soll sinken, der Lebensmittelverschwendung der Kampf angesagt werden.

Um dies zu erreichen, soll der Bund politisch aktiv werden und die Konsumentinnen und Konsumenten «einbeziehen». Mit «glaubwürdigen Informationen und Empfehlungen» soll ein Wandel herbeigeführt werden. «Deshalb müssen auch Überzeugungen, die einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren, ernst genommen und angemessen widerlegt werden», bilanziert der Nationalfonds in seiner Mitteilung. Der Bund solle ausserdem prüfen, das Beschwerderecht auf Konsumentenverbände auszuweiten und ihnen zu erlauben, Sammelklagen einzureichen.

Mehr Subventionen für Landwirte

Im Fokus stehen auch die Landwirte. Da die Bevölkerung weniger Fleisch essen soll, müssten sie mit höheren Subventionen unterstützt werden, kommen die Forschenden zum Schluss. Gefördert werden anstelle der Viehwirtschaft der Anbau von Obst, Nüssen, Gemüse und Hülsenfrüchten. Beim Verkauf müssten die ästhetischen Kriterien so angepasst werden, dass weniger Produkte weggeworfen werden. Hier sei es auch angezeigt, neue Konservierungsmethoden einzusetzen und intelligente Verpackungen zu entwickeln, die den tatsächlichen Zustand der konservierten Lebensmittel anzeigen.

Hintergrund der Empfehlungen ist der Befund, dass die Schweizerinnen und Schweizer bei der Ernährung einen grossen ökologischen Fussabdruck hinterlassen, und das vor allem ausserhalb der Landesgrenzen: Da die Schweiz mittlerweile die Hälfte ihres Nahrungsbedarfs importiert, fallen zwei Drittel der Umweltschäden im Ausland an. Weniger Verschwendung und mehr nachhaltige Produktion im Inland dienten deshalb nicht nur der Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch der Umwelt.