Simulationsvorwürfe und Beleidigungen: Inclusion Handicap kritisiert IV-Gutachter

Die Behindertenorganisation Inclusion Handicap geht hart ins Gericht mit den IV-Gutachtern. Es herrsche Willkür bei den Gutachten und Behinderte müssten sich zum Teil gegen Simulationsvorwürfe rechtfertigen.

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Bei IV-Gutachten werden Versicherte zum Teil beleidigt und müssten sich rechtfertigen, kririsiert Inclusion Handicap. (Symbolbild)

Bei IV-Gutachten werden Versicherte zum Teil beleidigt und müssten sich rechtfertigen, kririsiert Inclusion Handicap. (Symbolbild)

Keystone

(dpo) Über 250 Meldungen sind seit der Gründung der Meldestelle im Februar eingegangen. Die Behindertenorganisation Inclusion Handicap kommt zum Schluss, dass in vielen Fällen keine faire Abklärung stattfinde, wie sie am Freitagabend mitteilte. Demnach hätten die IV-Gutachter bei 53 Meldungen die Versicherten zu 100 Prozent arbeitsfähig eingeschätzt, obwohl die behandelnden Ärzte eine Arbeitsfähigkeit von 0 Prozent attestierten.

Gemäss Inclusion Handicap richteten sich nicht nur Versicherte an die Meldestelle. In 48 Fällen meldeten sich auch Rechtsvertreter oder behandelnde Ärzte bei der Behindertenorganisation.

Weiter bemängelt der Bericht, dass Abklärungsgespräche mit den Versicherten teilweise nicht mehr als 20 Minuten dauerten. Mehr als die Hälfte der Begutachteten habe angegeben, dass die Gespräche in einem «schlechten Klima» stattfänden. Zudem sei es zum Teil zu Beleidigungen gekommen und Begutachtete hätten sich gegen Simulationsvorwürfe rechtfertigen müssen, so Inclusion Handicap.

Behindertenorganisation wartet auf Bericht des Bundes

Gemäss der Organisation ist die Bedeutung der Gutachten gross. IV-Stellen oder Gerichte stützten ihre Entscheide fast immer auf diese ab. Der Bericht stellt den Vorwurf in den Raum, dass «einige Gutachter mit lukrativen Aufträgen belohnt werden, wenn sie die Arbeitsunfähigkeit tief einschätzen.» Deshalb fordert Inlcusion Handicap, dass fehlbare Gutachter aus dem Verkehr gezogen werden. Zudem müssten einige Fälle neu aufgerollt werden und bei Gutachtergesprächen solle künftig eine Drittperson anwesend sein.

Inclusion Handicap hat seine Meldestelle im Februar dieses Jahres eingerichtet. Dies, nachdem in verschiedenen Medienberichten von mutmasslichen Missständen bei IV-Gutachten die Rede war. Gesundheitsminister Alain Berset hat daraufhin eine externe Analyse zur Tätigkeit der IV-Stellen veranlasst. Die Behindertenorganisation sei «gespannt», welche Erkenntnisse die Untersuchung zeigen werde.