Sorgenbarometer
Corona hat seinen Schrecken verloren: Umwelt und Altersvorsorge wieder Hauptsorgen der Bevölkerung

Laut dem Sorgenbarometer der Credit Suisse machen sich nur noch 13 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Sorgen wegen der Pandemie. Ungleich mehr beschäftigen sie Umweltprobleme und die Altersvorsorge.

Peter Walthard
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Die mediale Diskussion über den Klimawandel zeitigt Früchte: Neu dominiert das Thema den «Sorgenbarometer».

Die mediale Diskussion über den Klimawandel zeitigt Früchte: Neu dominiert das Thema den «Sorgenbarometer».

Keystone

Zwei Jahre lang war die Covid-19-Pandemie unbestrittener Spitzenreiter im Sorgenbarometer der Credit Suisse (CS). Nun ist die Pandemie «offensichtlich zu einem Alltagsproblem geworden», wie die CS am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt. Auf Platz 1 vorgestossen ist dafür die Belastung der Umwelt, worunter neben Klimawandel und Umweltschutz auch Umweltkatastrophen fallen.

Mit 39 Prozent ist der Wert hier gleich hoch wie im Vorjahr. Zum Vergleich: 2006 waren diese Themen erst für sieben Prozent der Bevölkerung eine Hauptsorge. Auf Platz zwei folgt 2022 mit 37 Prozent das Thema AHV/Altersvorsorge. Dieses rangiert schon seit 2019 unter den Top drei der Hauptsorgen der Bevölkerung. Auch die Europafrage, dieses Jahr mit 25 Prozent auf Platz vier, beschäftigt die Bevölkerung schon seit Längerem stark. Stark zugenommen haben dagegen die Sorgen wegen Energiefragen, Kernenergie und Versorgungssicherheit: Noch 2021 nannten dies nur 14 Prozent als eine Hauptsorge, 2022 sind es 25 Prozent.

Eine neue Sorge taucht auf: Die Versorgungssicherheit

Auch die Inflation, neu auf Platz fünf, ist ein Newcomer im oberen Feld des Sorgenbarometers. 2021 machten sich nur gerade acht Prozent Sorgen wegen der einsetzenden Geldentwertung, nun sind es schon 24 Prozent. Damit liegt das Thema gleichauf mit dem alten Dauerbrenner Gesundheit und Krankenkassen, der im Sorgenbarometer Platz 6 belegt.

Als völlig neues Themenfeld taucht dieses Jahr auch die Versorgungssicherheit bei Energie, Medikamenten und Lebensmitteln auf. Letztes Jahr wurde das Thema im Sorgenbarometer noch nicht erfasst, nun landet es mit 21 Prozent gleich auf Platz sieben und damit noch vor der Sorge um den Krieg in der Ukraine. Dieser ist nur für 20 Prozent eine Hauptsorge.

Bemerkbar macht sich der Konflikt und seine globalen wirtschaftlichen Folgen aber bei der Zukunftseinschätzung der Befragten: 19 Prozent gehen mittlerweile davon aus, dass sich ihre private wirtschaftliche Lage in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird. «So viele sind es in den 27 Jahren, in denen diese Frage erhoben wird, noch nie gewesen», heisst es in der Mitteilung. Noch letztes Jahr blickten trotz Pandemie nur zehn Prozent pessimistisch in die Zukunft.

Migration für viele keine Hauptsorge, aber Gefahr für «Identität der Schweiz»

Kaum Konjunktur haben die Migrationsthemen. Nur noch 19 Prozent sehen in Zuwanderung und Personenfreizügigkeit eine Hauptsorge, bei Asylfragen liegt der Wert gar nur noch bei 16 Prozent. 2006 nannten noch 39 Prozent der Stimmberechtigten das Thema Flüchtlinge/Asylfragen als Hauptsorge.

Allerdings taucht das Thema unter jenen Faktoren auf, die nach Ansicht der Befragten die Identität der Schweiz gefährden: 60 Prozent sind dieser Ansicht. 68 Prozent sehen die Kernidee der Schweiz ausserdem dadurch gefährdet, dass «die westlichen Werte im neuen geopolitischen Tauziehen generell unter Druck geraten», wie es in der Mitteilung heisst.

Durchgeführt wurde die repräsentative Umfrage im Auftrag der CS vom Forschungsinstitut Gfs Bern. Befragt wurden 1744 Stimmberechtigte in der ganzen Schweiz.