Sozialdemokratie
Alt Bundesrat Leuenberger outet sich: Heute wäre er vielleicht ein Grüner

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger weiss nicht, ob er heute noch einmal der SP beitreten würde. Vielleicht wäre er ein Grüner. Auch sonst spart er nicht mit Kritik an seiner Partei, die sich statt auf soziale Fragen zu konzentrieren in Genderfragen verliere.

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Leuenberger vermisst bei seiner Partei die Aufbruchstimmung.

Leuenberger vermisst bei seiner Partei die Aufbruchstimmung.

Keystone

Er wisse nicht, ob er heute als 20-Jähriger wieder der Sozialdemokratie beitreten würde, sagt alt Bundesrat Moritz Leuenberger im Interview mit dem «SonntagsBlick». «Ich ging zur SP, weil ich sie verändern wollte.» Diese Aufbruchstimmung sehe die heutige Jugend woanders. Die Grünen seien emotional näher an ihren Themen. Er wäre vielleicht heute ein Grüner, gesteht Leuenberger.

Deutliche Worte findet der 75-Jährige auch für seine eigene Partei. Von vielen werde die SP in letzter Zeit als «etwas gar kompromisslos» wahrgenommen. «Ein Hauch von Juso-Romantik umflort die Partei.» Leuenberger verweist auf das Scheitern des Rahmenabkommens, für das die SP mitverantwortlich sei. Er habe Bekannte, die deswegen zu den Grünliberalen umgeschwenkt seien.

Fokus auf Kernthemen

Angesprochen auf das Formtief der SP relativiert Leuenberger die Verluste in den kantonalen Wahlen. «Gemessen am Weltgeschehen finde ich die Verschiebung von einigen Prozenten in Kantonsparlamenten von ziemlich geringer Bedeutung.» Auch bekundeten alle Bundesratsparteien gerade Mühe.

Einen Rat hat Leuenberger dennoch an seine Partei. Die SP müsse sich wieder ihren Kernthemen wie sozialen Fragen, Mieten, Bodenpreise und Löhne widmen. «Dort hat die Partei eine Aufgabe.» Viele Wählerinnen und Wähler würden jedoch Themen wie Genderfragen oder sprachpolizeiliche Vorschriften wahrnehmen. «Aber Genderfragen sind zur Ideologie erstarrt.» (rwa)