Pflege
Wegen Corona: Weniger Eintritte in Altersheimen, Mehraufwand für Spitex

Die Alters- und Pflegeheime haben letztes Jahr wegen der Pandemie deutlich weniger Eintritte gezählt. Gleichzeitig musste die Spitex mehr pflegerische Dienste erbringen.

Dario Pollice
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Spitex-Pflegeleistungen nahmen insbesondere bei Personen ab 80 Jahren stark zu. (Symbolbild)

Spitex-Pflegeleistungen nahmen insbesondere bei Personen ab 80 Jahren stark zu. (Symbolbild)

Keystone

Neue Zahlen des Bundes verdeutlichen, wie stark die Coronapandemie im vergangenen Jahr Alters- und Pflegeheime beansprucht hat. So ging die Zahl der Eintritte in diesen Institutionen im Vergleich zu 2019 um rund zehn Prozent zurück, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte.

In der Regel steigt Zahl der Personen in Alters- und Pflegeheimen kontinuierlich an, doch 2020 registrierten die Statistiker den stärksten Rückgang (-4,1 Prozent) der letzten 15 Jahre. Grund dafür dürfte die Pandemie sein, so das BFS.

Die Covid-19-Pandemie trieb auch die Todesfälle in den Alters- und Pflegeheimen in die Höhe: Letztes Jahr starben 34'572 Menschen in diesen Institutionen. Das entspricht einer Zunahme von 16,3 Prozent. Zum Vergleich: In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Todesfälle in den Heimen durchschnittlich um bloss 0,2 Prozent gestiegen.

Pro Senectute: Ältere Menschen wollen zu Hause leben

Während die Betreuung in Alters- und Pflegeheimen zurückging, nahm im Gegensatz dazu die Spitex-Versorgung um 6,7 Prozent markant zu. Insgesamt erbrachten die Spitex-Dienste pflegerische und weitere Leistungen für 420'793 Personen.

Vor allem über 80-Jährige nahmen die Dienste der Spitex stark in Anspruch. Obwohl deren Anteil an der Schweizer Bevölkerung 2020 nur um ein Prozent gestiegen ist, stieg die Anzahl der Spitex-Pflegeleistungen in dieser Alterskategorie um 5,7 Prozent. Im Vergleich zu 2019 ist der Anteil der über 80-Jährigen Pflegeleistungsempfängern gar um 1,4 Prozent gewachsen. Diese «ausserordentliche Zunahme» führt das BFS mit grosser Wahrscheinlichkeit ebenfalls auf die Coronapandemie zurück.

Gemäss der Fachorganisation für das Alter Pro Senectute hat die Pandemie das Bedürfnis von Senioren bestärkt, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu wollen. Allerdings gingen externe Betreuungsleistungen heute zu einem grossen Teil zulasten der Betroffenen, heisst es in einer Mitteilung. Pro Senectute will sich deshalb dafür einsetzen, dass diese Betreuungsleistungen zumindest zum Teil mitfinanziert und für alle älteren Menschen finanzierbar werden. (dpo)

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