Taskforce schlägt Alarm: Lockdown könnte länger als vier Wochen dauern

Die Corona-Taskforce schliesst einen nationalen Lockdown nicht aus. Je später dieser komme, desto länger werde er dauern, schreiben die Wissenschafter in ihrer aktuellen Lagebeurteilung.

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Die Corona-Taskforce schliesst nicht aus, dass es schon bald zu einem zweiten Lockdown kommen könnte. (Symbolbild)

Die Corona-Taskforce schliesst nicht aus, dass es schon bald zu einem zweiten Lockdown kommen könnte. (Symbolbild)

Keystone

(wap) In ihrer am Freitag veröffentlichten Lagebeurteilung wartet die wissenschaftliche Taskforce des Bundes mit alarmierenden Zahlen auf. Nicht nur die vom BAG gemeldete Zahl der Neuinfektionen wachse exponentiell, sondern auch die Zahl der Coronapatienten in den Spitälern. «Gegenwärtig verdoppelt sich die Zahl der COVID-19-Patienten auf der Intensivstation jede Woche», schreiben die Experten.

Auch wenn es gelinge, die Kapazitäten der Intensivstationen auf 1400 zu erhöhen, sei die Kapazitätsgrenze damit in vier bis zwei Wochen erreicht. Die von der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin zertifizierten Betten dürften nach diesen Berechnungen bereits Ende Oktober ausgeschöpft sein.

Der Druck auf die Intensivstationen werde selbst dann immens sein, wenn es zu einem vollständigen und sofortigen Lockdown komme, folgert die Taskforce. Um wieder auf die Zahlen von September zu kommen, müsste ein solcher Lockdown unter den jetzigen Bedingungen drei bis vier Wochen dauern. Je länger mit einer Verschärfung der Massnahmen zugewartet werde, desto länger brauche es, um die Epidemie in den Griff zu kriegen: «Jede weitere Woche, in der sich die Umsetzung solcher neuen Massnahmen weiter verzögert, wird etwa eine zusätzliche Woche der Durchführung der Massnahmen erfordern.»

Einschneidende Massnahmen bis in den nächsten Frühling

Dies liege auch daran, dass die bisherige Eindämmungsstrategie angesichts der aktuellen Fallzahlen versage. Das Regime von Tests, Contact-Tracing und Quarantäne sei zusammengebrochen, bilanziert die Taskforce. Man sei damit in einer ähnlichen Situation wie Mitte März, als der Bundesrat zu Notrecht griff, um die drohende Überlastung der Spitäler abzuwenden.

Die Taskforce fordert deshalb schnelle Massnahmen, die den ganzen Winter über gelten sollen:

  • Maskenpflicht in allen Innenräumen und überfüllten Aussenbereichen
  • Home Office wo immer möglich
  • Schliessung von Unterhaltungs- und Erholungsstätten mit schlechter Belüftung
  • Beschränkung von Zusammenkünften  (maximal 10 Personen)
  • Beschränkung von Versammlungen (maximal 50 Personen)
  • Sperrstunde für Restaurants und Bars (21 Uhr)
  • Einstellung von Aktivitäten mit hohem Übertragungsrisiko wie Kontaktsportarten, Gesang oder Blasmusik
  • Fernunterricht ab der Sekundarstufe
  • Mehr Testzentren und mehr Personal für das Contact-Tracing
  • Regelmässige Tests von Arbeitnehmenden in Hochrisiko-Umgebungen.

Um Jojo-Effekte zu verhindern, sollen diese Massnahmen über die ganze kalte Jahreszeit hinweg gelten. Mit Erleichterungen wäre nach diesem System erst ab April zu rechnen. In einer Pressekonferenz der Bundes hatte Taskforce-Chef Martin Ackermann die Untätigkeit der Politik scharf kritisiert und die Bevölkerung aufgerufen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen.

Der Lagebericht zeigt allerdings, dass die Bevölkerung auf die bisherigen Verschärfungen anders reagiert als im Frühling: Trotz rasant steigender Fallzahlen sei bei den Mobilitätsdaten keine grosse Veränderung feststellbar. Im Frühling waren diese schon vor dem Lockdown am 16. März deutlich zurückgegangen.