Tessin verschärft Massnahmen: Discos schliessen, Maskenpflicht beim Einkauf

Da die Coronazahlen nun auch im Tessin steigen, werden für drei Wochen die Schutzmassnahmen verschärft. Neu gilt beim Einkauf Maskenpflicht, Essen darf nur an Tischen serviert werden und Discos müssen schliessen.

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Die Tessiner Regierung – Norman Gobbi (2.v.l.) und Raffaele De Rosa (r) – verschärft ab Freitag die Coronaschutzmassnahmen.

Die Tessiner Regierung – Norman Gobbi (2.v.l.) und Raffaele De Rosa (r) – verschärft ab Freitag die Coronaschutzmassnahmen.

Samuel Golay / Keystone

(sat) Noch vor einer Woche hat die Tessiner Kantonsregierung die leicht gelockerten Coronamassnahmen bis am 19. Oktober verlängert. Nun kommt die Regierung auf diesen Entscheid zurück. Dies nachdem die Coronafallzahlen nun auch in der Südschweiz wieder stark anstiegen. Von einstelligen Werten in den letzten Wochen auf 40 neue Fälle allein am Donnerstag, wie Regierungspräsident Raffaele De Rosa an einer kurzfristig einberufenen Medien ausführte.

Darum habe die Kantonsregierung beschlossen, die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus für vorerst drei Wochen zu verschärfen. Wie Gesundheitsdirektor Norman Gobbi sagte, gilt ab Freitag für vorerst drei Wochen eine Maskenpflicht beim Einkaufen. Zudem werden Diskotheken, Clubs und Tanzsäle geschlossen. Und Essen darf in Restaurants nur noch am Platz serviert werden. Neu muss das Servicepersonal chirurgische Gesichtsmasken tragen – bislang genügten normale Gesichtsmasken –und Gastrobetriebe müssen neu etwa auch die Ankunfts- und Abfahrtszeiten ihrer Mitarbeitenden erfassen. Nicht betroffen von den Verschärfungen ist laut Gobbi das Sexgewerbe. Dort bleibe nur die Schliessung, sollte sich herausstellen, dass Schutzmassnahmen nicht eingehalten werden.

Sind Deutschschweizer Feriengäste Schuld?

«Ziel ist es, nicht schliessen zu müssen», begründete Norman Gobbi die Verschärfung der Coronaschutzmassnahmen. «Ein erneuter Lockdown muss so entschlossen wie möglich verhindert werden.» Allerdings sei es nicht nur Aufgabe von Bund, Kanton und Gemeinden, gegen das Virus vorzugehen. «Die aktuelle Situation verlangt von allen, sich anzustrengen», so Norman Gobbi.

Wie Raffaele de Rosa sagte, seien nun alle gefragt, die Mobilität einzuschränken. Damit seien auch Begegnungen gemeint, insbesondere auch im privaten Bereich. Denn anders als im Lockdown seien bei einer bekannt gewordenen Ansteckung heute sofort Dutzende weitere Leute betroffen und müssten in Quarantäne weil die Mobilität viel höher sei. Der Regierungspräsident erinnerte an zwei Fälle vom Wochenende, wo nach dem Ausgang und nach einem Fussballspiel 150 Personen in Quarantäne mussten.

Bereits vor Wochenfrist hatte die Tessiner Kantonsregierung die Institutionen des Gesundheitswesens dazu angehalten, ihre Kapazitäten für einen allfälligen Wiederanstieg der Coronafallzahlen bereit zu halten. Das gelte weiterhin, sagte Raffaele De Rosa. Auf die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der nun rapide steigenden Fallzahlen in der Südschweiz und den eben zu Ende gegangenen Herbstferien in der Deutschschweiz bestehe, antwortete Kantonsarzt Giorgio Merlani nur ausweichend. Die epidemiologische Lage im Tessin sei ähnlich wie nördlich des Gotthards. «Wir dürfen also auch jetzt nicht darauf verzichten, Touristen zu uns zu holen», sagte er zu einer Herbstkampagne von Ticino Turismo. «Aber natürlich muss alles gemacht werden, dass es sicher ist.»