Tessiner Kantonsarzt appelliert an den Rest der Schweiz: «Lernt aus unserem Beispiel»

In keinem anderen Kanton ist die Lage wegen des Coronavirus so schlimm wie im Tessin. Kantonsarzt Giorgio Merlani hat eine gute Übersicht über die Lage. Und er weiss, wie verheerend sich die Situation in der gesamten Schweiz noch entwickeln könnte.

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Der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani über die Corona-Krise.

Der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani über die Corona-Krise.

Keystone

(sku) Im Kanton Tessin sieht es nach einer Verlangsamung der Corona-Fälle aus. Das sagt der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani im «Tagesgespräch» von Radio SRF am Dienstag. Noch vor einer Woche hätten sich die Zahlen der Neuinfizierten im Tessin wöchentlich verdoppelt. Das sei nun anders. Stand Dienstagmorgen zähle das Tessin 1211 Infizierte, also nur noch 47 mehr als am Vortag.

Was der Südkanton nun am meisten brauche, sei Zeit. Diese habe der Rest des Landes noch. Und Merlani appelliert: «Nutzt diese Zeit.» Denn laut Merlani haben die strikten Massnahmen zur Abflachung der Kurve beigetragen. Deshalb warnt er nun den Rest der Schweiz: «Wir sind euch etwa eine Woche voraus, lernt aus unserem Beispiel.» Die Massnahmen sollten am Anfang lieber zu streng sein, um dann gelockert werden zu können als umgekehrt. 

Der Kanton Tessin hat sein Angebot an Intensivbetten mittlerweile verdreifacht. Davon seien im Moment laut Merlani über die Hälfte besetzt — auch mit Personen unter 65 Jahren. «Man darf sich als junge Person nicht in Sicherheit wiegen», sagt Merlani. Der Kantonsarzt hofft, dass möglichst schnell ein wirkungsvoller Impfstoff auf den Markt gelangt.