Tessiner Ständerat Marco Chiesa soll Albert Rösti als SVP-Präsidenten beerben

Nun soll es ein relativ unbekannter Tessiner richten: Die Findungskommission der SVP schlägt überraschend Marco Chiesa als neuen Parteipräsidenten vor. Das ist ein Affront gegenüber den offiziellen Kandidaten.

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Der neue Präsident der grössten Schweizer Partei könnte vielleicht schon bald aus der italienischsprachigen Schweiz stammen.

Der neue Präsident der grössten Schweizer Partei könnte vielleicht schon bald aus der italienischsprachigen Schweiz stammen.

Keystone

(rwa) Die Suche nach einem neuem SVP-Präsidenten nimmt eine überraschende Wende. Die Findungskommission empfiehlt den Tessiner Ständerat Marco Chiesa für die Nachfolge des Berner Nationalrates Albert Rösti, wie sie am Donnerstag bekanntgab.

Die Findungskommission unter Leitung des früheren Nationalrates Caspar Baader bezeichnet Chiesa als «Glücksfall». Es sei ein grosser Vorteil, dass er aus der lateinischen Schweiz komme, weil er dadurch die SVP in der Romandie stärken könne. Als Bewohner eines Grenzkantons setze er sich auch gegen die «unkontrollierte Zuwanderung» ein. Überzeugt hat die Kommission nicht zuletzt Chiesas «klare politische Auffassung» wie auch die solide Aufbauarbeit für die SVP im Tessin.

Schon früh einer der Wunschkandidaten

Für die Findungskommission war der 45-Jährige von Beginn an einer ihrer Wunschkandidaten. Ende Februar hatte Chiesa aber noch aus beruflichen Gründen abgesagt. Unterdessen hat der Vizepräsident der SVP die Stelle als Leiter eines Alterszentrums nach 15 Jahren gekündigt, um sich beruflich neu zu orientieren. Chiesa habe die Kandidatur angenommen.

Der Tessiner ist in der Deutschschweiz ein unbekanntes Blatt. Auf nationaler Ebene hat er politisch noch wenige Spuren hinterlassen. Von 2015 bis 2019 sass er im Nationalrat. Letzten Herbst gelang dem studierten Betriebswirt, der zeitweise als Steuerberater arbeitete, dann überraschend der Sprung in die kleine Kammer. Gemeinsam mit seiner Kontrahentin von der SP, Marina Carobbio, durchbrach er die Bastion der CVP und FDP im kleinen Stöckli. CVP-Fraktionspräsident Filippo Lombardi musste nach 20 Jahren von der politischen Bühne abtreten.

Was machen jetzt Glarner und Heer?

Der heutige Entscheid ist ein Affront für die beiden Nationalräte Andreas Glarner (AG) und Alfred Heer (ZH), den beiden einzigen verbliebenen offiziellen Kandidaten. Dass aber einer der beiden Politiker Albert Rösti als Parteipräsidenten beerben wird, war immer unwahrscheinlicher geworden. Immer wieder machten neue Namen in den Medien die Runde, um kurze Zeit wieder abzusagen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es im engsten Kreis der SVP starke Widerstände gibt gegen einen Präsidenten Glarner oder Heer.

Auf Anfrage von« Blick» erklärte Andreas Glarner bereits, seine Kandidatur zurückzuziehen. «Ich finde das eine sehr gute Lösung», sagte er. Er habe bereits das Schlimmste befürchtet. «Es wurden ja sehr viele Namen genannt. Nicht alle wären qualifiziert gewesen.»

Das letzte Wort wird die Basis haben. An ihrer Delegiertenversammlung vom 22. August in Brugg AG befindet die Partei über die Nachfolge von Albert Rösti.