Todesfall
«Viel zu früh von uns gegangen»: Thurgauer Tierschützer Erwin Kessler ist tot

Der streitbarste Tierschützer des Landes ist 77-jährig gestorben. Bekannt war Erwin Kessler vor allem wegen seines Vereins gegen Tierfabriken (VgT). Und wegen seiner Rolle im «Fall Hefenhofen».

Alain Rutishauser, Samuel Thomi
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Der Thurgauer Tierschützer Erwin Kessler ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

Der Thurgauer Tierschützer Erwin Kessler ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

Bild: Reto Martin (13. Februar 2014)

Erwin Kessler ist tot. Gegenüber CH Media bestätigt sein Anwalt am Freitag eine Meldung von «Blick.ch». Der 77-Jährige hatte sich jahrzehntelang unerbittlich für das Tierwohl eingesetzt. Nun ist er einem Herzversagen erlegen, wie Rolf Rempfler im Gespräch sagte: «So hat er sich zwar immer gewünscht zu sterben, ohne Schmerzen. Doch jetzt ist er viel zu früh von uns gegangen. Erwin Kessler war ja noch top fit.»

Kessler führte den Verein gegen Tierfabriken. Mit dem 1989 gegründeten VgT prozessierte er oft und oft auch erfolgreich in seinem jahrelangen Kampf gegen Massentierhaltung. Und auch darüber hinaus meldete sich Erwin Kessler mit seinem Verein immer wieder in der Öffentlichkeit zu Wort.

Immer wieder Rechtshändel

Allerdings musste Erwin Kessler auch Niederlagen einstecken. So ist etwa ein Fall bekannt aus dem Jahr 2015: Der Aktivist Valentin Abgottspon teilte damals einen Artikel auf Facebook, in dem Kessler als «verurteilter Antisemit» und der VgT als «antisemitische Organisation» bezeichnet wurden. Abgottspon wollte damit darauf hinweisen, dass sich Kessler und VgT immer wieder Holocaustvergleiche und klassischer antisemitischer Stereotype bedienen würden.

Erwin Kessler reichte daraufhin unter anderem Klage gegen Valentin Abgottspon ein. Der Prozess endete schliesslich im vergangenen Dezember. Und der Aktivist erhielt recht: Abgottspon durfte Kessler zum Tatzeitpunkt straflos einen Antisemiten nennen. Erwin Kessler dagegen hatte immer beteuert, es sei ihm einzig und allein um die Kritik am jüdischen Schächten gegangen.

Über Schmerzen in der Brust geklagt

Medienwirksam war Erwin Kesslers jahrzehntelanger Kampf für die Tierrechte auch im sogenannten «Fall Hefenhofen». Bei den Demonstrationen 2017 gegen den Tierhof des Thurgauers Ulrich K. war der Tierschützer als massgebende Figur ebenfalls an vorderster Front dabei. Und die politischen Folgen des Skandals hallten noch jahrelang nach. «Das Tierwohl stand bei ihm immer an erster Stelle», sagte Erwin Kesslers enge Vertraute Sonja Tonelli zu «Blick.ch». «Er wird uns als kompromissloser und konsequenter Kämpfer für das Tierwohl in Erinnerung bleiben.» Tonelli will Kesslers Arbeit nun auch fortsetzen.

Laut Sonja Tonelli hat Erwin Kessler «viel Sport gemacht und ist wandern gegangen». Am Donnerstagnachmittag habe er allerdings über Schmerzen in der Brust geklagt. Er wollte jedoch nicht zum Arzt gehen, so seine enge Vertraute. Wie sein Anwalt Rolf Rempfler zu CH Media sagte, verabschiedet sich Kessler am Donnerstag mit dem Satz «Schlaf ist die beste Medizin» in die Nacht. Dann sei er in seinem Zuhause im thurgauischen Tuttwil am Freitag nicht mehr aufgewacht. Im Verlauf des Tages habe schliesslich ein Arzt den Tod formal bestätigt.

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