«Überlautes Geheul» oder Diktat der Städter: Das schreiben die Medien zum Jagdgesetz

Hat das Parlament die Vorlage überladen oder zeigt sich einfach das Diktat der städtischen Gebiete? Das schreiben die Medien am Montag zur Abstimmung über das Jagdgesetz.

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Die Bergler fühlen sich nach dem Nein zum Jagdgesetz im Stich gelassen.

Die Bergler fühlen sich nach dem Nein zum Jagdgesetz im Stich gelassen.

Keystone

(agl) Das revidierte Jagdgesetz wurde am Sonntag mit 51,9 Prozent knapp abgelehnt. Am meisten Unterstützung erhielt die Vorlage im Bündnerland und im Wallis. Die «Südostschweiz» verortet das Problem bei der Gesetzesrevision und beim Abstimmungskampf: «Das laute, überlaute Geheul der Bündner hat die Zürcher nicht angelockt, sondern ganz offensichtlich abgeschreckt», kommentiert die Bündner Zeitung. «So gewinnt man keine Abstimmungen.» Die Schweiz habe am Sonntag richtig entschieden: «Sie lässt die Bündner Bergbäuerinnen und Bauern nicht im Stich, sondern sie sagt Nein zu einem Gesetz, das überladen und emotional viel zu aufgeheizt war.»

«Das Parlament hat überbordet, das Stimmvolk hat korrigiert. Richtig so!», schreiben auch die Tamedia-Zeitungen. Im «Blick»-Kommentar heisst es, die Jäger und Bergler im Parlament hätten den Wolfsschutz so ausgehöhlt, «dass die Vorlage übers Ziel hinausgeschossen ist». Beide Kommentatoren sind sich einig, dass es nun eine moderatere Überarbeitung des Jagdgesetzes brauche, ohne präventive Abschüsse des Wolfes durch die Kantone.

Moderate Vorlage, durch Umweltschützer zu Fall gebracht

Während aus dem Bündnerland Kritik auch am eigenen Kanton laut wird, klingt es aus dem Wallis ganz anders. Das knappe Nein sei ärgerlich, schreibt der «Walliser Bote». «Es wurde den Direktbetroffenen von der Mehrheit aus Landstrichen aufdiktiert, die mit der Problematik nur aus der Ferne vertraut sind.» Die Vorlage sei moderat gewesen, heisst es im Kommentar weiter. «Der föderale Ansatz, dass die Kantone je nach Bedarf hätten individuelle Lösungen vorsehen können bei der Regulierung, war pragmatisch gemeint». Nun sei zu befürchten, dass viele Schäfer die Bewirtschaftung von Alpen aufgeben werden.

In eine ähnliche Richtung wie der «Walliser Bote» argumentierte am Montag die «NZZ». Es sei verständlich, dass die Bergler nach der Abstimmung einen Groll gegen die Flachländer hegen. Das Jagdgesetz sei vor allem durch die Kampagne der Umweltschützer zu Fall gebracht worden, heisst es im Kommentar weiter: «Sie stilisierten es zum «Abschussgesetz» hoch und unterstellten, dass der Bund bald auch weitere geschützte Tierarten wie Biber, Luchs, Fischotter, Graureiher und Gänsesäger zum Abschuss freigeben werde. Gleichzeitig schürten sie auch das Misstrauen gegenüber den Kantonen, die dem Wolf ohne Hemmungen den Garaus machen würden. Das waren unlautere Methoden, die mit Unterstellungen und Behauptungen arbeiteten.»