Ukraine-Krieg
«Meine Äusserungen werden in Russland als Verbrechen angesehen»: Schweiz soll Putins Ex-UNO-Diplomaten beschützen

Der ehemalige russische UNO-Diplomat in Genf, Boris Bondarev, fürchtet nach seiner Kritik an der Regierung in Moskau um seine Sicherheit. Die Schweiz will ihn schützen. Noch ist offen, ob er um Asyl bittet.

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Boris Bondarev – hier ein Foto aus seinem Pass – sorgte mit seiner Kritik an der Regierung in Moskau für Aufsehen und brachte sich damit in Gefahr.

Boris Bondarev – hier ein Foto aus seinem Pass – sorgte mit seiner Kritik an der Regierung in Moskau für Aufsehen und brachte sich damit in Gefahr.

Keystone

Die Worte von Boris Bondarev von Anfang Woche sorgten für grosses Aufsehen: «Noch nie habe ich mich so für mein Land geschämt wie am 24. Februar dieses Jahres», schrieb der russische UNO-Diplomat in Genf auf dem sozialen Netzwerk Linkedin. Am 24. Februar befahl Wladimir Putin den Angriffskrieg auf die Ukraine. Weiter sprach Bondarev von einem Verbrechen gegen die ukrainische Bevölkerung und auch gegen das russische Volk. Gleichzeitig kündigte er seinen Rücktritt an als Diplomat Russlands.

Sein Vorgehen und seine Kritik stellten sein Leben auf den Kopf. «Meine Äusserungen werden in Russland als Verbrechen angesehen», sagte er am Mittwoch in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen. Er gelte damit zu Hause nicht nur als Oppositioneller, als Diplomat sei er eben auch ein Beamter. «Ein Strafverfahren ist mir also so gut wie sicher.» Nun habe er Angst um seine Familie, Verwandten und auch enge Freunde.

Schweiz will Bondarev beschützen

Bondarev bestätigt, dass die Schweizer Sicherheitsbehörden daran sind, ein Sicherheitsdispositiv um ihn herum zu erreichten. Dafür bedankt er sich sowohl bei der Schweizer UNO-Mission in Genf als auch bei der Schweizer Regierung. «Für meine Familie und mich ist das sehr wichtig», sagte er. Wenn man ganz alleine sei und zu Recht oder Unrecht damit rechnen müsse, Opfer einer Gewalttat zu werden, «ist es unglaublich wichtig zu wissen, dass es jemanden gibt der einen unterstützt und zu beschützen versucht». Gemäss Tamedia konnte das Interview denn auch nicht wie zuerst geplant persönlich geführt werden, sondern nur via Telefon und Signal-App.

Wer sich öffentlich gegen Putin stelle, habe seiner Meinung nach «gute Gründe, um sein Leben zu fürchten». Was ihn betreffe, wisse er aber noch nicht, wie es um ihn stehe. «Ich verstehe viele Dinge noch nicht. Aber ich hoffe, dass ich weiter in Sicherheit bin.»

Auch wie es nun mit ihm weitergehe, sei offen. Eine Rückkehr nach Russland schliesst der Ex-Diplomat vorerst aus. Er prüfe derzeit alle Optionen. Dazu gehöre auch, in der Schweiz oder einem anderen Land um Asyl zu bitten. Und vor allem suche er einen Job. (chm)