Untersuchungsbericht zeigt: Die Piloten der abgestürzten Ju-Air-Maschine sind viel zu tief geflogen

Gemäss dem noch unveröffentlichten Bericht über den Absturz der Ju-Air-Maschine sollen die Piloten deutlich zu tief geflogen sein. Auch gegen das Bundesamt für Zivilluftfahrt werden Vorwürfe erhoben.

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Die abgestürzte Maschine «Tante Ju».

Die abgestürzte Maschine «Tante Ju».

Keystone

(mg/cri) Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, haben die beiden Piloten, die im August vor zwei Jahren in den Bündner Alpen mit 18 weiteren Personen an Bord der Ju-52 abstürzten, die Kontrolle über das historische Flugzeug selbstverschuldet verloren. Dies stehe im vorläufigen, noch unveröffentlichten Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), der der Zeitung vorliegt. Laut diesem begingen die Piloten «leichtsinnig Regelbrüche» und legten immer wieder ein «risikoreiches Verhalten» an den Tag.

Am Tag des Unfalls - am 4. August 2018 - steuerten die Captains die Tante Ju auf dem Weg von Locarno zurück nach Dübendorf beim Piz Segnas viel zu nahe an der Bergkante vorbei. Offenbar entschieden sich die Piloten bewusst für diese spektakuläre Route. Dies obwohl beim Fliegen immer genügend Manövrierraum zur Verfügung stehen müsse, was hier nicht der Fall war.

Nicht mehr möglich eine Umkehrkurve zu fliegen

Dadurch war es gemäss Bericht «nicht mehr möglich, eine Umkehrkurve zu fliegen», weshalb das Flugzeug dann senkrecht in den Boden unterhalb des Segnespasses krachte. Die Wahl der Flugroute habe «in krassem Gegensatz» zum Wissen der Piloten gestanden, steht im Entwurf des Schlussberichts, «weil jederzeit einer oder mehrere Auswege bestehen müssen».

Die beiden Piloten hätten in den zwei Monaten vor dem Unglück insgesamt 28 Flüge zusammen absolviert. Dabei stellte die Untersuchung nun angeblich fest, dass die beiden Männer bereits zuvor «mehrmals die vorgeschriebene Mindesthöhe nicht eingehalten» hätten. In diesem Zusammenhang erhebe der Bericht auch Vorwürfe gegen das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). So habe einer der Piloten auch bei Checkflügen die Flughöhe immer wieder unterschritten - ohne, dass es deswegen Konsequenzen gegeben habe. Auch, so äussert sich in der «SonntagsZeitung» ein CEO eines Konkurrenzanbieters, sei die Ju-Air deutlich weniger streng kontrolliert worden wie andere ähnliche Betriebe.

Tiefflieger der Ju-Air schon einmal gebüsst

«Die Unterstellung, dass das Bazl einzelne Betriebe bei der Aufsicht bevorzugt behandelt, muss in aller Deutlichkeit zurückgewiesen werden», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger auf Anfrage. In den letzten 12 Jahren habe das Bazl knapp ein Dutzend Anzeigen und Beschwerden gegen die Ju-Air erhalten, dabei handelte es sich vorwiegend um Lärmklagen. «2014 wurden Ju-Air-Piloten gebüsst, die in Basel am Tattoo die Mindestflughöhe unterschritten hatten», so Holderegger. Bezüglich den weiteren Tiefflügen sagt Holderegger, dass man «in den meisten Fällen» keine «belastbaren Verweise» hatte, um gegen die Ju-Air vorgehen zu können.

Detailliert zum Inhalt des Berichts will sich das Bazl erst äussern, wenn die definitive Fassung öffentlich vorliegt.