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«Unverantwortlich und riskant»: Gewerbler und Bürgerliche nutzen Coronakrise für ihren Kampf gegen den Vaterschaftsurlaub

Mitten in der schwersten Rezession seit 50 Jahren liege ein Ausbau des Sozialstaats nicht drin, argumentiert das Nein-Komitee, das am Dienstag seine Kampagne gegen den Vaterschaftsurlaub vorstellt.

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Vaterschaftsurlaube sollten nicht vom Staat finanziert werden, finden die Gegner der Vorlage. (Symbolbild)

Vaterschaftsurlaube sollten nicht vom Staat finanziert werden, finden die Gegner der Vorlage. (Symbolbild)

Remo Nägeli

(wap) Alle müssten bezahlen, damit einige wenige zusätzliche Ferientage beziehen könnten - gleichzeitig würden mitten in der Krise Arbeitsplätze gefährdet, weil die Arbeit in der Schweiz noch teurer werde. Mit dieser Argumentation ziehen die Gegner des Vaterschaftsurlaubs in den Abstimmmungskampf.

Auf dem Logo der Kampagne ist eine rote Hand zu sehen, die in ein Portemonnaie greift. Gewerkschafter und Befürworter des Vaterschaftsurlaubs seien «Lohndiebe», schreibt das Komitee in einer Mitteilung vom Dienstag. Prominent vertreten sind darin mit den Spitzenmännern Hans-Ulrich Bigler und Casimir Platzer der Schweizerische Gewerbeverband und die Branchenorganisation Gastrosuisse.

SVP-Nationalrätin: Folgen für Kleinunternehmen wären «verheerend»

Platzer verwies auf die schwierige Lage, in der sich die Schweizer Gastronomie als Folge der Coronakrise befinde. Ein Drittel des Jahresumsatzes sei verloren, nun gehe es darum, Arbeitsplätze zu sichern. «Jeder weitere Anstieg von Sozialkosten trägt zum Abbau von Arbeitsplätzen bei», warnte der Präsident von Gastrosuisse.

Hans-Ulrich Bigler warnte vor den langfristigen Folgen für den Arbeitsmarkt. Neben den direkten Kosten von 230 Millionen Franken pro Jahr verursache der Vaterschaftsurlaub weitere indirekte Kosten in den Betrieben. Bigler sprach von einer Milliarde pro Jahr, die dem Gewerbe verloren gehen werde. Der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli sprach von einer «schleichenden Erhöhung der Lohnkosten», die «Gift für die Exportwirtschaft» sei. Besonders für Kleinunternehmen wären die Folgen «verheerend», warnte die Thurgauer SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.

Verantwortungsbewusstsein der Väter sei in Gefahr

Für den Luzerner FDP-Nationalrat Peter Schilliger zeigten die Befürworter eine «grenzenlose Anspruchshaltung». Als nächstes würden sie 20 Wochen Elternzeit «durchdrücken», warnte er. Sein Tessiner Ratskollege von der CVP, Michele Moor, sah gar das Verantwortungsbewusstsein der Väter in Gefahr. Denn ein Vater müsse sich eigenverantwortlich um seine Kinder kümmern, nicht nur zwei Wochen, sondern 20 Jahre lang.

Die Zürcher Gemeinderätin Susanne Brunner warnte schliesslich vor einem sozialpolitischen Sündenfall: Zum ersten Mal solle mit einer Sozialversicherung nicht eine existenzielle Notlage aufgefangen werden. «Junge, gesunde, fitte Männer möchten finanziert werden», kritisierte sie. Dieses Geld werde dann dort fehlen, wo man sich um die Schwachen kümmern sollte.