Virus bei Zuckerrüben: Bund lässt umstrittenes Pestizid nicht zu

Ein Virus vermiest Zuckerrüben-Bauern die Ernte. Nach Widerstand von Umweltverbänden lehnt der Bund die Notfallzulassung eines umstrittenen Pestizids ab. Zum Ärger der Landwirtschaft.

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Ein Bild aus besseren Tagen, als die Ernten der Zuckerrüben noch üppig ausfielen.

Ein Bild aus besseren Tagen, als die Ernten der Zuckerrüben noch üppig ausfielen.

Keystone

(rwa/mjb) Der Zuckerrübenanbau leidet dieses Jahr stark unter der Virösen Vergilbung, einem von Blattläusen übertragenen Virus. Die Folge: Die Landwirte könnten bis zur Hälfte ihrer Ernte verlieren. Die schweizerische Zuckerproduktion dürfte deshalb zurückgehen, schätzt der Bund. Das Pestizid, das dagegen helfen würde, ist seit Anfang 2019 verboten. Es gehört zur Gruppe der Neonicotinoide, die gemäss der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ein Risiko für Bienen darstellen.

Der Verband der Zuckerrübenpflanzer hat deshalb beim Bund eine Notfallzulassung für das umstrittene Pestizid beantragt, das Saatbeizmittel «Gaucho». Die Zulassung soll drei Jahre gelten – eine Übergangslösung, bis biologische Bekämpfungsmassnahmen, resistente Sorten oder alternative Wirkstoffe gefunden seien. Daraus wird nun vorerst nichts. Der Bund lehnt eine Notfallzulassung ab, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Donnerstag bekanntgab.

Der Verband reagiert konsterniert auf den Entscheid. Es sei zu befürchten, dass die Schweizer Zuckerwirtschaft in «ihren Grundfesten» gefährdet sei, schreibt er in einer Reaktion. Auch kritisieren die Zuckerrübenpflanzer die Ungleichbehandlung zum Ausland, weil zahlreiche EU-Staaten Ausnahmebewilligungen für Neonicotinoide erlassen hätten. Sie fordern deshalb, dass nur noch Zucker importiert werde, der mit in der Schweiz zugelassenen Pflanzenschutzmitteln hergestellt worden sei.

Pro Natura und BirdLife Schweiz erachten den Entscheid dagegen als vernünftig. Statt Symptombekämpfung brauche es für den Zuckerrübenanbau eine Gesamtstrategie, fordern die Umweltverbände in einer Mitteilung. Nun sei der Weg frei für eine weitsichtige Lösung, welche die Probleme unter Einbezug aller Akteure anpacke.

Erforschung alternativer Methoden

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat nach Abwägung verschiedener Optionen entschieden, stattdessen zwei andere Produkte zur Blattbehandlung zuzulassen, um die Blattläuse, die bei den Zuckerrüben die Viröse Vergilbung übertragen, zu bekämpfen. Die Produkte «Movento SC» und «Gazelle SG» seien hierzulande bereits für Kartoffelkulturen zugelassen. Die Verwendung des Neonicotinoids «Gaucho» in Zuckerrübenkulturen bleibt damit weiterhin verboten.

Zudem wird der Bund ein Forschungsprogramm ins Leben rufen, um die Bekämpfung der Blattläuse zu verstärken. Erforscht werden sollen alternative Methoden zum Schutz der Zuckerrüben, die Ermittlung toleranter Sorten, die Entwicklung von Warnmodellen zur gezielten Bekämpfung und die Unterstützung von Produktionssystemen, die auf den Einsatz von Pestiziden verzichten.

Vorausgegangen war der Entscheidung ein runder Tisch. Ende September hatte das BLW die Vertreter der Branche wie auch jene von Umweltorganisationen eingeladen. Ziel war es, verschiedene Lösungen abzuwägen, um sowohl die Kulturen als auch die Bestäuber schützen zu können.