Zirka 8000 Schweizer Touristen warten noch auf ihre Repatriierung

Aussenminister Ignazio Cassis war in der Coronakrise bislang wenig in der Öffentlichkeit präsent. Am Montag trat er in seinem Heimatkanton vor die Medien. Viel Arbeit hat er vor allem mit den Rückkehrern in die Heimat.

Gerhard Lob aus Bellinzona
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Bundesrat Ignazio Cassis' heutiger Besuch in seinem Heimatkanton hatte auch eine symbolische Note.

Bundesrat Ignazio Cassis' heutiger Besuch in seinem Heimatkanton hatte auch eine symbolische Note.

Keystone

Zu Beginn der Coronakrise waren weltweit zwischen 20‘000 und 30‘000 Touristen aus der Schweiz unterwegs, die aufgerufen wurden, in die Schweiz zurückzukehren. Inzwischen warten noch schätzungsweise 8000 Touristen auf ihre Repatriierung in die Schweiz, wie Aussenminister Ignazio Cassis am Montag vor den Medien in Bellinzona erklärte. Ganz genaue Zahlen könne er nicht nennen, da für Touristen ja keine Meldepflicht bestehe.

Das Aussendepartement und die diplomatischen Vertretungen im Ausland würden in diesen Tagen mit Tausenden von Anfragen überhäuft, nicht nur von Touristen, sondern auch von Auslandschweizern. In den nächsten Tagen würde noch Touristen aus Peru, den Philippinen und Argentinien ausgeflogen. Angesichts der Entwicklung im Flugverkehr werde es aber immer schwieriger, genaue Prognosen zu machen.

EDA im Hintergrund tätig

Cassis reagierte auch auf die Kritik, wonach er bisher in dieser Krise nicht an einer Medienkonferenz des Bundesrats teilgenommen habe. «Es liegt an den jeweiligen Verantwortlichkeiten und dem genau festgelegten Prozedere», so Cassis. In erster Linie handle es sich um eine sanitäre Krise, «die jedoch immer deutlicher eine wirtschaftliche und finanzielle Krise wird». In der Gesundheit habe Alain Berset den Leadership, bei der Wirtschaft Guy Parmelin und bei den Finanzen Ueli Maurer. Zu Schengen habe sich Karin Keller Sutter als zuständige Bundesrätin geäussert. Zudem sei Simonetta Sommaruga als Bundespräsidentin mehrmals in Erscheinung getreten und Verteidigungsministerin Viola Amherd in Bezug auf die Armeeeinsätze.

Sein Departement sei häufig im Hintergrund tätig, etwa auch mit Fragen rund um den Warentransport beschäftigt. «Eine Lieferung mit Gesundheitsmaterial aus China war in Luxemburg blockiert - da mussten wir intervenieren», so der EDA-Chef.

Symbolischer Besuch in Heimat

Der Besuch von Cassis in seinem Heimatkanton hatte auch eine wichtige symbolische Funktion. Denn das Tessin ist wie kein anderer Kanton vom Coronavirus betroffen. Gestern übertraf die Zahl der an Covid-19-Toten die Schwelle von 100. Genau 105 Personen sind seit Ende Februar verstorben. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 1962 Fälle (+125). In den Spitälern befinden sich 415 Patienten, 340 auf den Stationen, 75 in den Intensivpflege, wovon 61 intubiert sind. Seit Samstag wurden 58 Erkrankte wieder entlassen.

Angesichts der hohen Zahl von Verstorbenen und aus Respekt für die Trauer der Familien legten Regierungspräsident Christian Vitta (FDP) und sein Parteifreund Ignazio Cassis während der Medienkonferenz eine Schweigeminute ein.