Trotz Corona sogar mit angereisten Stars und Popcorn in den Sälen: In zwei Wochen startet das Zurich Film Festival

Als erstes Filmfestival während der Pandemie in «nicht abgespeckter Form»: So sieht Christian Jungen, Neo-Direktor des Zurich Film Festival, die 16. Ausgabe. Wie das geht, sollte auch die vorgängige Medienkonferenz am Donnerstagmorgen zeigen.

Daniel Fuchs
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Waren am Anlass zum Auftakt des Zurich Film Festival die Einzigen, die für ihre Ansprachen die Maske abstreiften: Die deutsche Schauspielerin Iris Berben (Mitte) nimmt, flankiert vom ZFF-Führungsduo Elke Mayer und Christian Jungen, ein «Goldenes Auge» entgegen.

Waren am Anlass zum Auftakt des Zurich Film Festival die Einzigen, die für ihre Ansprachen die Maske abstreiften: Die deutsche Schauspielerin Iris Berben (Mitte) nimmt, flankiert vom ZFF-Führungsduo Elke Mayer und Christian Jungen, ein «Goldenes Auge» entgegen.

Walter Bieri / KEYSTONE

Es war die vielleicht bestbesuchte Pressekonferenz seit Ausbruch der Pandemie. In einem schmucken Saal des Zürcher Nobelhotels Baur au Lac standen die Stühle am Donnerstagmorgen in strikten Abständen von 1,5 Metern. Für die angereisten Journalistinnen und Journalisten herrschte Maskenpflicht. Am 24. September beginnt das Zurich Film Festival, kurz ZFF. Direktor Christian Jungen präsentierte das Programm und die spezielle Ausgabe unter Coronavorzeichen.

«Zürich als Türöffner für deutschsprachigen Markt»

Das ZFF bietet heuer nebst einigen Kinoereignissen, die dieses Jahr noch kommen, eine Fokusreihe aufs Filmschaffen der jungen Franzosen. In drei Wettbewerbsreihen geht es ebenso ums Schaffen jüngerer Filmemacher. Stolz verkündete Direktor Jungen 23 Weltpremieren. Die Industrie sehe Zürich als Tor zum deutschsprachigen Raum mit seinen 100 Millionen Konsumenten, weshalb das ZFF letztlich viele Zuschläge erhalten habe, so Jungen. Eröffnet wird das ZFF mit dem neuen Spielfilm von Bettina Oberli, «Wanda, mein Wunder». Obwohl das ZFF sich ganz in den Dienst der von der Pandemie gebeutelten Kinos stellen will, werden auch Serien gezeigt. Darunter die Zwischenkriegs-Serie «Frieden» von SRF als Premiere. (dfu)

Das Maskenobligatorium ist die augenfälligste Massnahme, mit der die Verantwortlichen um ZFF-Direktor Jungen einen Covid-19-Ausbruch am Festival verhindern wollen. Und die Pflicht gilt selbst während der Filmvorstellungen.

Damit geht Zürich im Gleichschritt mit dem Venedig Film Festival, das dieser Tage zu Ende geht und an dem ebenso Maskenpflicht herrschte. Und in der Schweiz mit dem Animationsfilmfestival Fantoche in Baden vor einer Woche, das in letzter Minute eine Maskenpflicht einführen musste.

Kaum Ticketverkaufskassen

Auch mit den Masken bleiben die Kinosäle während der Vorführungen (siehe Box oben) unterbesetzt. Die Säle werden zu maximal 60 Prozent ausgelastet, betonte die für das Schutzkonzept verantwortliche ZFF-Co-Leiterin Elke Mayer. Ticket-Verkaufsstellen werden auf ein Minimum reduziert, die Besucherinnen und Besucher angehalten, sich die Tickets online zu besorgen.

Für ein Ticket ist die Angabe des Kontakts obligatorisch, das Contact-Tracing wird so garantiert. Zwischen Besuchergruppen bleibt analog dem Schutzkonzept der Schweizer Kinobranche jeweils ein Sitz leer.

Schon im Lockdown waren die ZFF-Verantwortlichen voller Hoffnung. «Immer wieder wurde ich gefragt, weshalb wir das durchboxen», sagte Jungen gestern. Ihm sei mehrfach geraten worden, das ZFF angesichts der verschobenen Filmstarts und der unsicheren Situation ganz abzublasen. Doch Jungen, der die Festivalleitung letztes Jahr vom Gründerduo Nadja Schildknecht und Karl Spoerri übernommen hat, ging seinen Weg.

Berät und bewirbt das ZFF: «Mr. Corona» Daniel Koch

Und wusste den ehemaligen Corona-Chefbeamten Daniel Koch hinter sich. «Das ZFF kann stattfinden, versicherte mir Mr. Corona Daniel Koch persönlich», sagte Jungen dieser Zeitung im Sommer.

Nun bezeichnet Jungen das ZFF selbstbewusst als «erstes Filmfestival der Welt mit vollem Programm» seit Ausbruch der Pandemie. Dies, weil Venedig weit weniger umfangreich stattgefunden hat als in anderen Jahren.

Jungen weiter:

«Nun sind wir das erste Festival der Welt mit vollem Programm. Wir zeigen 165 Filme auf der Leinwand, vor Zuschauern, nicht im Netz. Das sind nur 6 weniger als letztes Jahr.»

Unklarheiten beim Schaulaufen der Stars

Ob die Stars anreisen und die Mutter aller Kinofragen Das übliche Schaulaufen der Stars soll in Zürich trotz Corona möglich sein. Auch das sollte die Medienorientierung exemplarisch aufzeigen: Als Überraschungsgast war die deutsche Schauspielerin Iris Berben angereist. Anlässlich ihres vorverschobenen Besuchs nahm sie auch das vom Festival verliehene «Goldene Auge» entgegen.

Warum Berben das nicht während des Festivals tun kann, hat direkt mit Corona zu tun: Wegen der Pandemie mussten die Dreharbeiten für ihren neuen Film «Triangle Of Sadness» in Griechenland verschoben werden. Doch die neuen Termine kollidierten mit dem Filmfestival in Zürich. Wäre Iris Berben nach der Preisverleihung in den Flieger nach Griechenland gestiegen, hätte sie dort erst einmal zwölf Tage in Quarantäne gehen müssen. «Keine Produktion will sich zwölf Tage Quarantäne im Hotel eines ihrer Schauspieler leisten», so Jungen.

Berben nannte sich selbst eine «Coronaspiesserin». Sie nehme die Massnahmen und die Gefahr durch das Virus sehr ernst, so die 70-Jährige. Nur für ihre Dankesrede nahm sie kurz die fürs ZFF designte Schutzmaske aus dem Gesicht, die übrigens auch vom Festivalteam getragen werden und mit der sogar «Mr. Corona» Daniel Koch vor wenigen Tagen bei einem Besuch im Circus Knie für das Filmfestival warb. Die Anweisungen zum Schutz vor dem Virus zu befolgen, sei ein Akt der Solidarität, so Berben. Umgekehrt erwarte sie aber, dass Gesellschaft und Politik sich solidarisch zeigen mit der Kultur.

«Kultur darf niemals weggespart werden. Gerade in Zeiten von Social Distancing schafft sie Nähe.»

Im Kino etwa schaffe ein Film Nähe zwischen sich Fremden, die aber kollektiv einen Film anschauten, sagte Berben.

Wie das ZFF wollen auch einige Stars Corona trotzen: Johnny Depp will nach zwei Jahren erneut nach Zürich reisen. Und Juliette Binoche erhält wie Berben einen Award. Zudem präsentiert Moritz Bleibtreu sein Regiedébut. Fans, die den «Grünen Teppich» herbeisehnen, müssen sich vorgängig für einen Platz registrieren. Das Los entscheidet, wer dabei sein darf.

Bleibt noch die wichtigste aller Kinofragen, die Popcorn-Frage: Sind solche Snacks erlaubt während der Filmvorführungen? Co-Leiterin Mayer bejahte. «Man darf sich die Maske kurz aus dem Gesicht schieben und die Popcorns geniessen.»

Zurich Film Festival: Vom 24. September bis 4. Oktober. Infos: zff.com

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