Zürcher Kunsthaus
Bührle-Sammlung: Historiker Tanner fordert Offenlegung des Leihvertrags

Der Zwist um die umstrittene Bührle-Sammlung im Kunsthaus Zürich ist um eine Forderung reicher. Jakob Tanner, Historiker und Ex-Bergier-Kommissionsmitglied, fordert auch die Offenlegung des Leihvertrags.

Samuel Thomi
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Jakob Tanner will, dass nebst einer unabhängigen Abklärung der Bührle-Bilder im Kunsthaus Zürich auch deren Leihvertrag publik wird. (Archiv)

Jakob Tanner will, dass nebst einer unabhängigen Abklärung der Bührle-Bilder im Kunsthaus Zürich auch deren Leihvertrag publik wird. (Archiv)

Samuel Schalch

Das Kunsthaus Zürich kommt nicht zur Ruhe. Vielmehr steigt der Druck nach der Eröffnung des Erweiterungsbaus von Mitte Oktober immer weiter an, die Herkunft der ausgeliehenen Werke der umstrittenen Sammlung Bührle unabhängig prüfen zu lassen. Zähneknischend hatte die Stiftung zunächst erklärt, sich nicht gegen die von der Stadt und vom Kanton Zürich sowie von Historikern erhobene Forderung stellen zu wollen.

Doch nun verlangt Historiker und Ex-Bergier-Kommissionsmitglied Jakob Tanner im «SonntagsBlick» auch die Offenlegung des Leihvertrags zwischen der leihgebenden Stiftung und der Stiftung des Kunsthaus Zürich. Zudem fordert der emeritierte Geschichtsprofessor der Universität Zürich, die neuen Abklärungen zur Herkunft der Bilder seien durch die öffentliche Hand und nicht mehr durch eine Stiftung und damit Private zu finanzieren. Dies um Interessenkonflikten vorzubeugen respektive um die Unabhängigkeit zu gewährleisten.

Weil die Leihgabe ans Kunsthaus Zürich bereits 2034 auslaufe, müsse überdies verhindert werden, dass die Bührle-Stiftung die dannzumal ausreichend erforschte Kunstsammlung «einfach abziehen kann». Jakob Tanner bestätigt am Sonntag auf Anfrage von CH Media seine in dem Artikel erhobenen Forderungen. Laut dem Historiker soll bei den neuerlichen Abklärungen zur Bührle-Sammlung zudem auch gleich die Geschichte der Provenienzforschung selbst untersucht werden.

Legendärer Kunsthändler verteidigt Bührle

In der «SonntagsZeitung» dagegen wird das Kunsthaus Zürich gleichentags für seinen Umgang mit der Sammlung des früheren Nazi-Waffenlieferanten Emil Georg Bührle in Schutz genommen. Kunsthändler Walter Feilchenfeldt bezeichnet die «ständigen Angriffe» gegen das Museum in dem Artikel «völlig absurd».

Seine Familie musste einst selber vor den Nazis flüchten und verkaufte in der Not im Zweiten Weltkrieg via einen Kunsthändler Bührle ein Gemälde. Dafür sei seine Kunsthändler-Familie dem umstrittenen Schweizer Industriellen dankbar gewesen, sagt der heute 82-Jährige. «Das erhaltene Geld war für meine Eltern von existenzieller Bedeutung», wird Feilchenfeldt in dem Artikel zitiert. Bührle habe einen fairen Preis bezahlt.

Kunsthaus betont reine Weste

Seit Oktober wird die Kunstsammlung des Schweizer Waffenfabrikanten Emil Georg Bührle im neuen, 200 Millionen Franken teuren Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses gezeigt. Die Sammlung ist auch wegen des Verdachts auf Raubkunst umstritten. Eine vor einem Jahr publizierte Studie der Universität Zürich zeigte, wie sich der Unternehmer mit Waffenexporten an Nazi-Deutschland seine Kunstsammlung und damit Zugang zu den höchsten Zürcher Kreisen erkaufte.

Gleichzeitig äusserte sich die Stiftung des Kunsthauses zuletzt überzeugt, «die Abklärung zur Herkunft ihrer Werke in umfassendster Weise» durchgeführt zu haben. Diese eigens in Auftrag gegebenen Abklärungen seien unter Einbezug anerkannter Spezialisten der Provenienzforschung erfolgt. Die Stiftung betonte auch bereits mehrfach, im Bestand der Sammlung fänden sich keine «ungeregelten Raubkunstfälle».

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