Forscher finden Reste von Malzgetränken in Zürich – Es könnte sich um das älteste Bier Mitteleuropas handeln

Grabungen beim Parkhaus Opéra in Zürich haben Material zu Tage gefördert, bei dem nun malzhaltige Überreste nachgewiesen wurden. Sie stammen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus.

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Beim Bau des Parkhaus Opéra in Zürich fanden 2011 auch archäologische Ausgrabungen statt.

Beim Bau des Parkhaus Opéra in Zürich fanden 2011 auch archäologische Ausgrabungen statt.

Keystone

(dpa/gb.) Archäologen sind dank neuer Forschungsansätze dem ältesten Bier in Mitteleuropa auf der Spur. Mit Sicherheit seien malzhaltige Getränke bereits im 4. Jahrtausend vor Christus am Zürichsee und am Bodensee zubereitet worden, sagt der Archäobotaniker Andreas Heiss von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Mittwoch. Ob es sich dabei tatsächlich um Bier oder ein noch alkoholfreies Malzgetränk gehandelt habe, sei noch unklar. Bisher galten Fundstellen in keltischen Siedlungen im heutigen Baden-Württemberg um das 5. bis 4. Jahrhundert vor Christus als älteste Brauereien Mitteleuropas.

Für die im Fachjournal «PlOS ONE» veröffentlichte Studie nutzten die Forscherinnen und Forscher spezifische Zersetzungsspuren an den Zellwänden von Getreidekörnern erstmals zum Nachweis von Malz in verkohltem archäologischen Material. Dies sei selbst dann gelungen, wenn von diesen Körnern nur noch zermahlene und verbrannte Reste erhalten waren, so Heiss. Mälzen ist ein entscheidender Schritt beim Bierbrauen. Dabei wird Getreide – heute meist Gerste – zum Keimen gebracht und dann getrocknet oder geröstet.

Das internationale Team um Heiss fand entsprechende Merkmale an Material aus jungsteinzeitlichen Ufersiedlungen am Zürichsee und am Bodensee, die ins 4. vorchristliche Jahrtausend datieren. So erwiesen sich amorphe Speisekrusten aus der Grabung beim Parkhaus Opéra in Zürich als malzhaltig, ebenso zwei bislang als «brotartige Objekte» angesprochene Funde aus Sipplingen-Osthafen und Hornstaad-Hörnle, beides am Bodensee in Baden-Württemberg gelegene ehemalige Pfahlbau-Siedlungen.

Der Fund aus Hornstaad-Hörnle habe zudem gezeigt, dass hier stark zerkleinertes Gerstenmalz zu einer Flüssigkeit aufgegossen worden war und in der Hitze eines Gebäudebrandes eindickte und verkohlte. Ob hier ein alkoholfreier Malztrunk hätte zubereitet werden sollen, oder ob das Ziel doch das Vergären zu einem steinzeitlichen «Bodenseebräu» gewesen war, liesse sich aber nicht mehr eindeutig ermitteln, so Heiss. «Auch wenn der letzte Schritt des Nachweises noch fehlt, sind wir wahnsinnig nah dran», sagte der Forscher.