Erderwärmung: Nur das Südpolarmeer stemmt sich gegen den Trend

Weil das Meereseis an der Grenze zur offenen See kein Salz enthält, verdünnt es beim Abschmelzen das Meerwasser. Das führt zur Abkühlung an der Oberfläche, wie ETH-Forscher herausgefunden haben.

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Entsalztes Meereis kühlte die Meeresoberfläche in der Antarktis während Jahren ab.

Entsalztes Meereis kühlte die Meeresoberfläche in der Antarktis während Jahren ab.

Keystone

(sku) Überall auf der Welt werden das Land und die Meere immer wärmer. Nur Teile des Südpolarmeers rund um den antarktischen Kontinent setzten sich dem in den vergangenen Jahren entgegen und kühlten sogar ab. Mithilfe eines Ozeanmodells können Forscher der ETH Zürich und der Universität Princeton dieses aussergewöhnliche Phänomen nun erklären. Grund für die Abkühlung ist laut einer am Mittwoch publizierten Studie das Meereis.

An der Küste bilde sich das Eis aus gefrierendem Meerwasser, wodurch Salz ausfalle. Die starken Südwinde rund um das Polarmeer transportieren dieses entsalzte Eis nach Norden ins offene Meer, wo es im Sommer schmilzt. Dadurch gelangt laut den Wissenschaftlern Süsswasser in das Oberflächenwasser des Südpolarmeers, was den Salzgehalt des Meerwassers senkt.

Das süssere und somit leichtere Wasser verbleibe in der obersten, 100 Meter dicken Schicht. Darunter läge dichteres salzigeres Wasser. Gemäss Studie reduzierte diese stabile Schichtung den Wärmeaustausch zwischen den tieferen Schichten und dem Oberflächenwasser, so dass die Wärme in der Tiefe eingeschlossen blieb.

Seit 2015 geht Meereis in Antarktis zurück

Die Forscher relativieren aber auch: «Nur weil sich eine Meereszone abkühle, heisst das nicht, dass sich das gesamte Klimasystem weniger erwärme.» Es handle sich bei dem Phänomen lediglich um eine Umverteilung von Wärme im Südpolarmeer von der Oberfläche in die Tiefe.  Zudem beschreibe die vorliegende Studie nur die Situation bis zum Jahr 2011. Seit 2015 gehe das Meereis nun auch in der Antarktis zurück.