Konsumpsychologie
Studie zeigt: Die eigenen vier Wände machen nicht zwangsläufig glücklich

Wer sich ein Eigenheim kauft, stellt sich das Leben darin meist schöner vor, als es ist: Laut einer Studie der Universität Basel überschätzen Konsumenten den positiven Effekt auf ihr Glück.

Peter Walthard
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Der Kauf eines Eigenheims macht oft nicht ganz so glücklich wie erhofft. (Symbolbild)

Der Kauf eines Eigenheims macht oft nicht ganz so glücklich wie erhofft. (Symbolbild)

Keystone

Wer sich ein Eigenheim kauft, erhofft sich davon meist mehr Lebenszufriedenheit. Ob sich diese nach dem Umzug in die eigenen vier Wände tatsächlich einstellt, ist eine andere Frage. Dieser versuchten nun zwei Basler Ökonomen mit wissenschaftlicher Methode auf den Grund zu gehen. Ihr Ergebnis: «Der positive Effekt auf die Zufriedenheit hält weniger lange an, als die Leute erwarten.» Dieses Resultat wurde in der Fachzeitschrift «Journal of Happiness Studies» publiziert und am Dienstag von der Universität Basel kommuniziert.

Für die Studie wurden die Aussagen von mehr als 800 künftigen Eigenheimbesitzern ausgewertet. Diese sind in einem Datensatz registriert, der Aussagen zur erwarteten und tatsächlichen Lebenszufriedenheit enthält. Es zeigte sich, dass sich die Käufer vor dem Einzug eine deutlich höhere Lebenszufriedenheit erhofften. Dabei unterschätzten sie aber den Gewöhnungseffekt nach dem Einzug.

Wer erfolgsorientiert ist, wird häufiger enttäuscht

Wie tief die Kluft zwischen freudiger Erwartung vor und alltäglicher Unzufriedenheit nach dem Kauf ist, hängt laut der Studie aber auch von den Werten der Käufer ab. Überschätzt wird die Auswirkung des Kaufs auf das eigene Wohlbefinden demnach vor allem von Personen, denen Geld und Erfolg besonders wichtig sind. Weniger enttäuscht werden dagegen jene, die ihr Glück eher auf Freunde und Familie bauen.

«Vor allem statusorientierte Menschen überschätzen den Zugewinn an Lebenszufriedenheit», wird Co-Studienautor Reto Odermatt in der Mitteilung zitiert: «Intrinsisch orientierte Menschen, denen Familie und Freundschaften relativ wichtiger sind, hingegen nicht.»

Die eigenen Wertvorstellungen zu hinterfragen, kann sich auszahlen

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Menschen in ihren Entscheidungen nicht zwangsläufig ihren eigenen Präferenzen folgen, sondern «ihren mitunter verzerrten Vorstellungen» von denselben, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Vorstellungen seien womöglich durch äussere Faktoren wie Werbung oder Sozialisierung beeinflusst.

Das Wissen darum kann laut Odermatt politisch hilfreich sein, um «Manipulationen etwa seitens kommerzieller Akteure entgegenzuwirken». Letztlich stelle die Studie auch den in der Ökonomie zentralen Begriff der Konsumentensouveränität infrage: Sie zeige, «dass Menschen unter Umständen den Glücksfaktor einer Entscheidung falsch einschätzen und dadurch nicht zu ihrem Besten handeln».

Im alltäglichen Leben könne es sich lohnen, die eigenen Wertvorstellungen zu hinterfragen, «insbesondere bevor man weitreichende Entscheidungen trifft», so die Autoren. Dabei verleiteten materielle Werte auf der Suche nach dem Lebensglück eher zu Fehlprognosen als intrinsische Werte.