Tag des Baumes: Die Fichte macht es nicht mehr lange

Fichten und Buchen haben es im Schweizer Wald immer schwerer. Eichen wären dem heutigen Klima besser angepasst. Doch sie vermehren sich nur langsam.

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Der Schweizer Wald verändert seine Zusammensetzung.

Der Schweizer Wald verändert seine Zusammensetzung.

Keystone

(wap) Seit zehn Jahren spielt das Wetter in der Schweiz verrückt: Oft bleibt im Frühling der Niederschlag wochenlang aus – so auch in diesem Jahr. Dies hat Folgen für den Wald, besonders entlang des Juras, wo es generell trockener ist als im Alpenvorland, wo Staulagen noch etwas mehr Regen bringen. Die Folgen: Die grossen Fichtenplantagen im Mittelland brechen zusammen, und die Buchenwälder im Jura werden krank.

Wie es mit den beiden Baumarten weitergeht, kann derzeit niemand sagen. Die Niederschlagsverhältnisse hätten sich anders entwickelt, als man erwartet habe, sagt Waldexperte Thomas Wohlgemuth von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) vor dem Tag des Baumes am 24. April. Vor zehn Jahren sei man davon ausgegangen, dass die Schweiz mediterraner werde. Das würde heissen: viel Niederschlag im Frühling gefolgt von trockenen Sommern. Doch nun bleibe der Niederschlag auch im März, April und Mai aus.

Theoretisch würde dies der Eiche zu Gute kommen. Doch dafür kommen die Trockenperioden zu unregelmässig. Denn sobald es wieder ein nasses Jahr gibt, wachsen die Jungbuchen den jungen Eichen buchstäblich über den Kopf. Ohne menschliche Eingriffe bleibt es also beim Buchenwald, nur, dass dieser weniger stabil und die einzelnen Bäume weniger gesund sind.

Trockenheit, Stürme, Borkenkäfer

Anders sieht es bei der Fichte aus: Sie werde wohl endgültig aus den niedrigen Lagen verschwinden, sagt Wohlgemuth. Natürlicherweise ist die Fichte in unseren Breiten in den Bergen zu Hause. Im Mittelland wurde sie angepflanzt, weil sie schnell gutes Holz liefert. Das habe die letzten zwei Jahrhunderte gut funktioniert, nun aber nicht mehr, so Wohlgemuth. Trockenheit im Sommer, Winterstürme und Borkenkäferbefall setzen den Fichtenwäldern zu stark zu.

Der künftige «Brotbaum», mit dem sich die Schweizer Forstreviere finanzieren können, dürfte die aus Nordamerika importierte Douglasie sein. In weniger intensiv genutzten Wäldern setzt man auf Eiche, Haselnuss und Mehlbeere. Diese werden als sogenannte« Zielbaumarten» in den Wald eingebracht. Eine systematische Umforstung finde in der Schweiz aber nicht statt, so Wohlgemuth.