Champions League
Nach siebenjähriger Absenz: Milan betritt in Anfield wieder die grosse Fussballbühne

Die wiedererstarkte AC Mailand kehrt in die Königsklasse zurück – und geht mit viel Rückenwind in die Partie beim FC Liverpool.

Dan Urner
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Die AC Milan hat einen starken Saisonstart hinter sich

Die AC Milan hat einen starken Saisonstart hinter sich

Keystone

Jürgen Klopp ist voller Vorfreude. Endlich wieder ein Champions-League-Abend, «ich kann es kaum abwarten, das wieder zu erleben», sagte der deutsche Trainer des FC Liverpool am Dienstag. Zum Auftakt wartet direkt ein Kracher: Seine «Reds» bekommen es am Abend mit der AC Mailand zu tun. Und treffen damit auf ein Team, das nach langer Zeit zu seiner alten Stärke wiederzufinden scheint.

So sieht es zumindest Andrij Schewtschenko. Liverpool habe mit Milan ein unglückliches Los gezogen. Die ukrainische Sturmlegende sieht in der aktuellen Equipe seines ehemaligen langjährigen Vereins eine «schwungvolle Mannschaft mit viel Tempo», wie er gegenüber der «Gazzetta dello Sport» unlängst verriet. Das Team spielt einen einfachen Fussball. «Sie sind kreativ, spielen vertikal, versuchen immer, das Spiel zu kontrollieren, und verfügen über viele spielerische Lösungen. Ich mag das Team.»

Makelloser Saisonstart

Der Start in die neue Serie-A-Saison ist der AC Milan in jedem Fall gelungen – summa cum laude. Das von Stefano Pioli trainierte Team weist nach drei Partien die maximal mögliche Punkteausbeute auf, musste zudem erst einen Gegentreffer hinnehmen. Und das, obwohl sich im Sommer mit Gianluigi Donnarumma (zu Paris Saint-Germain) und Hakan Calhanoglu (zum Stadtrivalen Inter) zwei zentrale Grössen ablösefrei verabschiedet hatten.

Fikayo Tomori (rechts) ist bei Trainer Stefano Pioli gesetzt.

Fikayo Tomori (rechts) ist bei Trainer Stefano Pioli gesetzt.

Keystone

Die Mannschaft ist ausgewogen, verfügt über eine gesunde Mischung aus arrivierten und talentierten Spielern und wurde in der Sommerpause intelligent verstärkt. Neuzugang Fikayo Tomori, der nach seiner Leihe vor der Saison vom FC Chelsea fest verpflichtet wurde, hat sich etwa längst zu einer tragenden Säule in der Mailänder Innenverteidigung gemausert. In seinem Heimatland will der 23-jährige Engländer nun dazu beitragen, den Champions-League-Sieger von 2019 zu ärgern. Ein Star wird gegen Liverpool allerdings fehlen: Zlatan Ibrahimovic fällt wegen Achillessehnenproblemen aus. Erst am Sonntag gegen Lazio Rom hatte sich der schwedische Dauerbrenner nach viermonatiger Verletzungspause zurückgemeldet und nach seiner Einwechslung prompt den 2:0-Endstand erzielt.

Die Vorfreude auf den Match in Anfield dürfte indes riesig sein. Milan, historisch eigentlich ein Dauergast auf den grossen Fussballbühnen, steht der erste Champions-League-Auftritt seit einer über sieben Jahre währenden Durststrecke bevor. Insgesamt siebenmal gewann der Club die Königsklasse (respektive den Europapokal der Landesmeister). Seit dem letzten Triumph 2007 – gegen Liverpool im Final wohlgemerkt – ging es aber beständig bergab, auch der letzte nationale Meistertitel liegt immerhin schon zehn Jahre zurück. In der vergangenen Saison gelang mit der Vizemeisterschaft die Rückkehr an die nationale Spitze, ein gutes Abschneiden scheint nun auch international im Bereich des Möglichen.

Verstecken muss der Gegner aus dem Nordwesten Englands freilich nicht. Auch der LFC startete in der Premier League hervorragend in die neue Spielzeit, liess nur beim 1:1 im Spitzenspiel gegen den FC Chelsea Punkte liegen. Zuletzt gelang der Elf von Coach Jürgen Klopp ein 3:0-Auswärtssieg bei Leeds United.

Erinnerungen an 2005 und 2007

2005 gewann der FC Liverpool in beeindruckender Manier die Champions League gegen die AC Milan – nach einem 0:3-Pausenrückstand.

2005 gewann der FC Liverpool in beeindruckender Manier die Champions League gegen die AC Milan – nach einem 0:3-Pausenrückstand.

Keystone

Die beiden Teams trafen in ihrer langen Historie erst zweimal in der Königsklasse aufeinander, jeweils im Final. 2007 setzte sich die AC Mailand mit 2:1 durch. Mindestens ebenso eindrücklich war allerdings das Endspiel zwei Jahre zuvor gewesen: Damals hatte Milan, mit einer 3:0-Halbzeitführung im Rücken, schon wie der sichere Gewinner des Henkelpotts ausgesehen, ehe der FC Liverpool zu einer der beeindruckendsten Aufholjagden der Fussballgeschichte ansetzte. 3:3 hiess es nach regulärer Spielzeit, die nervenstärkeren Engländer setzten sich schliesslich im Penaltyschiessen durch.

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