Europacup
Basel gewinnt Penalty-Drama gegen Bröndby – FCZ und YB souverän weiter

Der FC Basel dreht den Rückstand aus dem Hinspiel, dem FC Zürich fehlt nach einem überlegenen Erfolg über Linfield bloss noch ein Sieg für die Teilnahme an Europa-League-Gruppenphase. Der Europacup-Abend im Überblick.

Jakob Weber und Dan Urner
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Aufatmen beim FC Basel: Das Team von Alex Frei spielt weiter international.

Aufatmen beim FC Basel: Das Team von Alex Frei spielt weiter international.

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FC Basel – Bröndby IF 3:1 i.P. (2:1; Hinspiel: 0:1)

Es ist ohrenbetäubend laut. 20064 Fans pfeifen – mit Ausnahme der rund 1000 mitgereisten «gelben Hasen» aus Kopenhagen – gellend, als Bröndby-Captain Josip Radosevic zum ersten Penalty der Gäste in diesem kapitalen Elfmeterschiessen antritt. Und es kommt, was kommen muss: Der Mittelfeldspieler donnert das Leder an die Latte.

Zwei Minuten später landet auch der zweite Versuch der Dänen nicht im Tor von Marwin Hitz sondern im Basler Nachthimmel. Und weil Andi Diouf, Dan Ndoye und später auch Darian Males souverän verwandeln und auch der vierte Bröndby-Spieler vom Punkt – diesmal an Marwin Hitz – scheitert, jubelt gegen kurz nach 22 Uhr das ganze Stadion.

FCB-Trainer Alex Frei fällt Andy Pelmard um den Hals. Es werden Erinnerungen an magische Europacupnächte, an das Elfmeterschiessen in der Europa League gegen Tottenham oder an die gedrehten Spiele gegen Saint-Etienne oder Eindhoven wach. Und irgendwo auf oder hinter der VIP-Tribüne pustet Klubchef David Degen mindestens einmal kräftig durch.

Das Ausscheiden aus dem vom klammen FCB mit der Gruppenphase budgetierten Europacup ist wie schon vor einem Jahr – damals in den Playoffs gegen Hammarby – mit der knappsten aller Entscheidungsmöglichkeiten abgewendet worden. Es ist das siebte Mal in der Europacuphistorie des FCB, dass er eine Auswärtsniederlage im Rückspiel noch drehen kann.

Es ist ein verdientes Weiterkommen, denn Basel war von Beginn an besser als die Gäste aus Kopenhagen und gewillt, die 0:1-Hypothek aus dem Hinspiel wettzumachen. 30:11 Torschüsse sprechen nach 120 Minuten eine deutliche Sprache.

Nach dem wegen Chaos in der Basler Innenstadt um eine Viertelstunde verspäteten Anpfiff gibt der FCB gleich die Richtung vor. Zeki Amdouni prüft Bröndby-Goalie Mads Hermansen (3.). Michael Lang geht nach einem Zweikampf mit Ex-Kollege Blas Riveros zu Fall und fordert Elfmeter (10.) und Andi Zeqiri trifft nach einem genialen Schnittstellenpass von Amdouni nur den Pfosten (17.).

Das wegweisende 1:0 fällt aber zu einem Zeitpunkt, als sich die Dänen auf das FCB-Angriffsspiel mit einer taktischen Umstellung auf Dreierkette besser eingestellt haben. In der 38. Minute entscheidet der Unparteiische Christian Dingert auf Elfmeter. Liam Millar bekommt im Strafraum nach einem Antritt einen klassischen Gehfehler verpasst und Fabian Frei zimmert den fälligen Strafstoss ohne Nerven ins rechte obere Eck.

Die Führung kommt zum scheinbar richtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause. Doch noch kürzer vor der Pause gleicht Bröndby aus dem Nichts aus. Kvistgaarden lässt den zuvor mit Marwin Hitz zusammengeprallten Arnau Comas mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen und schiebt zum 1:1 ein.

Doch die verrückte Nachspielzeit ist noch nicht zu Ende. Und weil Millar punktgenau auf dem Kopf von Zeqiri flankt und der den schwierigen Ball mit dem Rücken zum Tor in selbiges verlängert, hat der FCB das berühmte Momentum zur Pause wieder auf seiner Seite.

Im Anschluss ist der FCB dem 3:1 deutlich näher als Bröndby dem 2:2. Rotblau kommt zu vielen Chancen und immer wieder raunt das Stadion, weil Schüsse knapp vorbei gehen oder pariert werden. Millar hat in der 81. Minute zusammen mit dem Lattenschuss von Diouf in der Verlängerung die beste Chance auf die vorzeitige Entscheidung.

Doch weil die nicht fällt und beiden Teams in der Verlängerung die Körner fehlen, muss am Ende das eingangs beschriebene Elfmeterschiessen entscheiden. Und weil der FCB dort den verdienten Sieg eintütet, reist er schon in der kommenden Woche nach Sofia, wo am Donnerstag das Playoff-Hinspiel stattfindet.

Für das Erreichen dieser Playoffs kassiert der FC Basel 750'000 Euro. Übersteht er auch die nächste Hürde, wachsen durch die Teilnahme an der Gruppenphase die Einnahmen auf mindestens sechs Millionen an. Auch dieser Fakt lässt die Verantwortlichen beim FC Basel ganz sicher einmal kräftig durchpusten.

FC Zürich – FC Linfield 3:0 (Hinspiel: 2:0)

Der in der Super League so kriselnde FC Zürich hat im Rückspiel der dritten Europa-League-Qualifikationsrunde gegen den FC Linfield aus Belfast nichts mehr anbrennen lassen. Der Schweizer Meister doppelte nach dem 2:0-Sieg im Hinspiel mit einem 3:0-Heimerfolg im Letzigrund nach. Dabei konnte sich die Elf von Trainer Franco Foda auf die Treffsicherheit ihrer Neuverpflichtung Donis Avdijaj verlassen, der sich für beide Tore (11. Minute/26.) vor der Halbzeitpause verantwortlich zeichnete. Den Endstand besorgte Ivan Santini (84.).

Ivan Santini (links) feiert seinen Treffer zum 3:0.

Ivan Santini (links) feiert seinen Treffer zum 3:0.

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Die Zürcher, denen die Teilnahme an der Gruppenphase der Conference League bereits nicht mehr zu nehmen ist, brauchen für ein Ticket zur Europa-League-Endrunde nur mehr eine abschliessende Hürde zu überspringen. Playoff-Gegner ist der Heart of Midlothian FC aus Edinburgh.

«Siege geben Kraft, Energie und Selbstvertrauen»: Das sagt der FCZ zum Einzug in die Europacup-Gruppenphase

Beitrag: Melissa Schumacher

Hapoel Be'er Sheva – FC Lugano 3:1 (Hinspiel: 2:0)

So souverän sich der FC Zürich in der dritten Runde der Europa-League-Qualifikation präsentiert hat, so sang- und klanglos ist der FC Lugano eine Ebene tiefer gescheitert. Der Schweizer Cupsieger bezog beim israelischen Pokalgewinner Hapoel Be'er Sheva eine 1:3-Niederlage. Schon das Hinspiel hatten die Mannen von Trainer Mattia Croci-Torti, für die das Abenteuer Europa damit beendet ist, mit 0:2 verloren. Für den Ehrentreffer der Luganesi sorgte Ousmane Doumbia in der 73. Minute.

Young Boys – Koupion PS 3:0 (Hinspiel: 2:0)

Jean-Pierre Nsame erzielt das 3:0.

Jean-Pierre Nsame erzielt das 3:0.

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Die Young Boys haben sich standesgemäss wie mühelos ihren Platz im Conference-League-Playoff gesichert. Die Berner gewannen das Drittrunden-Rückspiel gegen den Kuopion PS mit 3:0. Das Team von Raphael Wicky hatte sich gegen den finnischen Aussenseiter bereits in der Vorwoche einen 2:0-Vorsprung erspielt. Die Tore der dominant auftretenden Schweizer erzielten Jean-Pierre Nsame (3./57.) sowie Vincent Sierro (35.). Playoff-Gegner von YB wird der RSC Anderlecht aus Belgien sein – und damit ein ungleich härterer Widersacher als Kuopio.