Reitsport
Angebliche Tierquälerei: Schwerwiegende Vorwürfe gegen deutschen Top-Springreiter

Kommen bei Ludger Beerbaum unerlaubte Trainingsmethoden zur Anwendung? Ein TV-Beitrag bringt den viermaligen Olympiasieger in Misskredit.

Dan Urner
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Ludger Beerbaum beim CSIO St. Gallen 2015.

Ludger Beerbaum beim CSIO St. Gallen 2015.

Urs Bucher/Archiv

Ludger Beerbaum gehört zu den erfolgreichsten Springreitern der Welt. Viermal gewann der Deutsche Olympia-Gold, was ihn für viele Aktive zu einem Pferdesport-Idol erhebt. Doch ein am Dienstagabend ausgestrahlter Fernsehbeitrag kratzt nun an der glänzenden Fassade des 58-jährigen Ausnahmekönners: Eine im Rahmen der «RTL»-Sendung «RTL Extra» produzierte Reportage zeigt Beerbaum angeblich, wie sich dieser auf seinem Gelände unerlaubter Trainingsmethoden befleissigt.

Demnach kommt auf seinem Reithof im nordrhein-westfälischen Riesenbeck das sogenannte «Barren» zum Einsatz, wie Videoaufnahmen belegen sollen. Dabei wird dem Pferd mit einer Stange ein Schlag gegen die Vorderbeine zugefügt, sodass es aus Angst vor den Schmerzen auf einen höheren Sprung konditioniert wird. Gemäss den Statuten der Deutsche Reiterlichen Vereinigung (FN) ist diese Methode allerdings verboten. Lediglich die stark abgeschwächte Version, das «Touchieren», ist zulässig.

«Falsch, verleumderisch und ehrverletzend»

Auf diese Trainingsmethodik beruft sich auch Beerbaum selbst, dessen Antwort auf den mit schwerwiegenden Vorwürfen gespickten TV-Beitrag nicht lange auf sich warten liess. Dieser sei in vielen Punkten «falsch, verleumderisch und ehrverletzend», weist der Reitsportler die geäusserten Anschuldigungen am Mittwoch vehement zurück. Die im Beitrag gezeigten Szenen auf dem Reitplatz hätten mit Barren nichts zu tun. «Es handelt sich dabei um erlaubtes Touchieren, das von einem erfahrenen, routinierten Pferdefachmann durchgeführt wurde. Der im Video zu sehende Gegenstand erfüllte die Vorgaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung für ein zulässiges Touchieren: nicht länger als drei Meter, maximal zwei Kilogramm schwer.»

Die erwähnte Vereinigung vertritt freilich eine konträre Sichtweise. «Bereits jetzt, unabhängig von dem gezeigten Beitrag, können wir klar sagen, dass der Gebrauch von Vierkantstangen sowie genopptem oder gestacheltem Stangenmaterial inakzeptabel ist und nicht im Einklang steht mit den Grundsätzen des fairen Pferdesports», wird FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach in einer einschlägigen Stellungnahme zitiert.

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