SCHWEIZER CUP
Eine Vorlage, ein gehaltener Elfmeter: Luzern steht im Cup-Halbfinal dank Goalie Müller

In einem lange Zeit unspektakulären Spiel zwischen Lugano und Luzern wird es am Ende turbulent: Erst gibt FCL-Keeper Marius Müller den Assist zum 2:1, dann hält er einen Elfmeter. Zuvor segelte eine Flanke von Pascal Schürpf zum Luzerner Ausgleich ins Tor – weil der Wind mithalf.

Janick Wetterwald und Frederic Härri
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Marius Müller wird von seinen Kollegen geherzt, nachdem er ihnen den Einzug in den Cup-Halbfinal gerettet hat.

Marius Müller wird von seinen Kollegen geherzt, nachdem er ihnen den Einzug in den Cup-Halbfinal gerettet hat.

Martin Meienberger

Es war ein Cupduell zwischen zwei Mannschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite der FC Lugano, der mit minimalem Aufwand den maximalen Ertrag einfährt und sich so überraschend auf den dritten Tabellenplatz der Super League geschoben hat. Auf der anderen Seite der FC Luzern, der oft sehr spektakulär spielt, aber zu wenig Punkte einfährt und akut abstiegsgefährdet ist - und in diesem Spiel mit Keeper Müller einen späten Cup-Helden hervorbrachte.

Doch von vorne. In der Startphase ist es ein taktisches Abtasten ohne klare Torchancen. Die Luzerner Mannschaft von Trainer Fabio Celestini spielt eher abwartend ohne Pressing in der gegnerischen Hälfte. Nach knapp 18 Minuten braucht es zum ersten Mal eine Abwehr von FCL-Goalie Marius Müller gegen einen Schuss von Asumah Abubakar. Wenig später kann Müller aber nichts mehr ausrichten: Nach einem Fehler von Luzerns Rechtsverteidiger Silvan Sidler geht Lugano in Führung (20.) – Mattia Bottani bedient den Torschützen Sandi Lovric.

Sidler setzt kurz nach seinem Fehler selbst ein Ausrufezeichen: Sein Distanzschuss fliegt an die Latte. Nach etwas mehr als einer halben Stunde kann Stefan Knezevic das zweite Tor für die Luganesi mit einer Grätsche verhindern – Bottani wartet etwas zu lange mit seinem Schuss. 1:0 für das Heimteam zur Pause, das klar die bessere Mannschaft ist.

Luzerns Ausgleich kommt aus dem Nichts

Der FC Luzern hat zu Beginn der zweiten Halbzeit mehr Spielanteile, doch die Lugano-Abwehr steht sehr stabil und lässt kaum Torchancen zu. Auch nach der Hereinnahme von drei Spielern auf Luzerner Seite bleibt es ein Spiel ohne viele Höhepunkte, weil Luzern nicht kann, und Lugano mit der Führung im Rücken nicht muss. Plötzlich trifft Pascal Schürpf in der 79. Minute zum Ausgleich: Sein Schuss von der linken Seitenlinie, der wohl als Hereingabe gedacht ist, rutscht ihm über den Rist und findet den Weg ins Tor. Da hat der starke Wind bestimmt auch mitgeholfen – Sebastian Osigwe im Tor von Lugano sieht unglücklich aus.

Pascal Schürpf (rechts) kann es kaum glauben, dass seine Flanke tatsächlich im Tor gelandet ist.

Pascal Schürpf (rechts) kann es kaum glauben, dass seine Flanke tatsächlich im Tor gelandet ist.

Martin Meienberger

Es bleibt nach 90 Minuten beim 1:1. Es geht in die Verlängerung. In den ersten 15 Minuten wird es kaum gefährlich vor den Toren. Bis kurz vor der Pause, als der eingewechselte Joaquin Ardaiz eine Flanke von Sabbatini an den Pfosten köpft – Pech für Lugano, Glück für Luzern.

Nach der kurzen Pause geht das Gäste-Team in der 107. Minute in Führung: Goalie Müller mit einem weiten Abstoss, Ibrahima Ndiaye entwischt der Lugano-Abwehr und netzt ein. Nach einem Freistoss von Lugano ist Müller dann erneut gefordert und rettet in extremis. Kurz darauf kürt sich der Deutsche dann endgültig zum Held des Spiels: Er springt beim Penalty von Lugano-Verteidiger Mijat Maric in die richtige Ecke und rettet seiner Mannschaft die Führung und den Einzug in den Cup-Halbfinal.

Marius Müller ahnt beim Penalty kurz vor Schluss die richtige Ecke und wird zum späten Cup-Helden.

Marius Müller ahnt beim Penalty kurz vor Schluss die richtige Ecke und wird zum späten Cup-Helden.

Martin Meienberger

Keeper Müller gibt sich nach Spielschluss und seiner späten Heldentat bescheiden. «Ich habe versucht, lange stehen zu bleiben und abzuwarten, was der Stürmer macht», sagt er im Interview mit dem SRF. Und scherzt, er habe sich Tipps von Pascal Schürpf geholt, wohin dieser den Elfmeter schiessen würde, wenn er denn müsste. Schürpf hat seinen Penalty am Wochenende gegen Basel verschossen.