WM-Qualifikation
Serbien fliegt nach Katar: Mitrovic schockt Portugal in extremis

Serbien belohnt seine couragierte Leistung und schickt Portugal in die Playoffs, Spanien sichert sich durch ein 1:0 gegen Schweden das WM-Ticket. In Gruppe G steht ein packendes Triell an. Die finale Phase der Qualifikation im Überblick.

Dan Urner
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Serbiens Aleksandar Mitrovic zog nach seinem bejubelten Siegtreffer in Lissabon blank.

Serbiens Aleksandar Mitrovic zog nach seinem bejubelten Siegtreffer in Lissabon blank.

Keystone

Länderspielpausen geniessen bei Fussballfans nicht unbedingt immer den besten Ruf. Doch die finale Phase der europäischen WM-Qualifikation bürgt derzeit für Nervenkitzel. Und damit ist nicht nur das anstehende Fernduell in der Schweizer Gruppe C gemeint, das darüber entscheidet, ob sich Italien oder doch die Nati den mühseligen Umweg über die Playoffs ersparen darf: Am Sonntag hielten andere Qualifikationsgruppen höchst spannende Gemengelagen bereit. Gleich dreimal traf der Gruppenerste direkt auf seinen ärgsten Verfolger.

Da wäre zum einen das Duell um die direkte Qualifikation in Gruppe A. Portugal schickte sich im Heimspiel gegen im Vorfeld punktgleiche Serben an, seine wacklige Spitzenposition über die Ziellinie zu bringen. Das misslang: Der Europameister hatte in Lissabon lange ein 1:1 verwaltet – ein Resultat, das dank der besseren Tordifferenz genügt hätte –, ehe Aleksandar Mitrovic das lange serbische Anrennen in der 90. Minute belohnte und sein Land zur direkten WM-Teilnahme köpfte. In Gruppe B machte Leader Spanien durch ein spätes Tor durch Álvaro Morata (86.) alles klar, die Iberer siegten 1:0 gegen Schweden. Bei den Gästen, die einen Sieg gebraucht hätten, um «La Roja» zu entthronen, half auch die Einwechslung von Zlatan Ibrahimovic nicht.

Gruppe H bot einen dramatischen Zweikampf zwischen Russland und Kroatien. Die beiden bestplatzierten Teams der Gruppe lieferten sich eine mitreissende «Wasserschlacht» im verregneten Split. Alles schien auf ein 0:0 hinauszulaufen, Russland wäre qualifiziert gewesen. Es kam anders: Rund 80 Minuten waren gespielt, als Aussenverteidiger Fedor Kudryashov ein folgenschweres Missgeschick unterlief – und Vizeweltmeister Kroatien mit einem Eigentor das Ticket für Katar spendierte.

Kroatien und Russland verlangten sich bei Dauerregen alles ab.

Kroatien und Russland verlangten sich bei Dauerregen alles ab.

Keystone

Spannungsgeladener Dreikampf in Gruppe G

Eine ungeahnte Brisanz hat sich derweil in die Ausgangslage in Gruppe G eingeschlichen. Die Niederlande und Norwegen hatten sich die Plätze eins und zwei eigentlich schon gesichert, so schien es jedenfalls. Am Samstag versagten beiden offenbar die Nerven. Die «Elftal» verspielte in Montenegro kurz vor Schluss einen 2:0-Vorsprung – und damit gleichbedeutend die vorzeitige Qualifikation für Katar. Am Dienstag wartet das direkte Duell mit den zweitplatzierten Norwegern, die sich durch ein enttäuschendes 0:0 gegen Lettland fahrlässig eine veritable Zitterpartie auferlegt haben.

Die Nachlässigkeit der beiden eigentlich Gesetzten ruft vor dem entscheidenden Spieltag ein drittes Team auf den Plan, dem wohl nur kühnste Optimisten noch Chancen ausgerechnet hatten: die Türkei. Deren neuer Trainer Stefan Kuntz war, bei realistischer Betrachtung, im Frühherbst zunächst vorrangig angetreten, um die Scherben seines Vorgängers Şenol Güneş zusammenzukehren. Doch nach dem 6:0 über Gibraltar ist seine Equipe unverhofft wieder voll im Rennen, geht punktgleich mit Norwegen in die abschliessende Partie gegen Montenegro.

Deutschland, Frankreich und Belgien sind durch

Andere grosse Namen haben sich eine derart knifflige Situation bereits erspart. Deutschland hatte bereits im Oktober als erste Mannschaft weltweit die Teilnahme am Turnier perfekt gemacht, Dänemark folgte kurz danach. Am Wochenende waren Belgien und Titelverteidiger Frankreich an der Reihe. England genügt am Montag ein Remis in San Marino.