Angriff im Regionalzug
Todesopfer sind 16 und 19 Jahre alt – das ist über das Zug-Attentat in Deutschland bekannt

Bei einem Angriff in einem Regionalzug im schleswig-holsteinischen Brokstedt sind zwei Menschen getötet worden. Ein Mann wurde festgenommen. Hintergründe und mögliche Motive sind zunächst unklar.

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Katja Jeggli / CH Media

Was ist passiert?

Bei einer Messerattacke in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg sind zwei Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Bei den beiden Opfern handelt es sich um eine 16 Jahre alte Jugendliche und einen 19 Jahre alten Mann. Das sagte Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack am Donnerstag in Kiel. Der Zustand und die Schwere der Verletzungen der übrigen Opfer waren am Morgen nach Polizeiangaben zunächst unklar.

Wer ist der Täter?

Ein 33 Jahre alter staatenloser Palästinenser soll während der Fahrt von Kiel nach Hamburg auf mehrere Fahrgäste eingestochen haben. Er sass vor der Tat im Regionalzug wegen einer anderen Messertat in Hamburg ein Jahr in Untersuchungshaft. Er sei am 18. August 2022 vom Amtsgericht Hamburg-St. Georg zu einem Jahr und einer Woche wegen gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls verurteilt worden, teilte Gerichtssprecher Kai Wantzen am Donnerstag mit.

Dem nicht rechtskräftigen Urteil zufolge hatte der heute 33-Jährige am 18. Januar 2022 einen Mann vor einer Hamburger Obdachlosenunterkunft mit einem Messer angegriffen und verletzt. Beide hätten in einer Schlange zur Essensausgabe gestanden und seien in Streit geraten.

Einsatzkräfte der Polizei und Rettungsdienste in der Nähe des Bahnhofs Brokstedt im Einsatz.

Einsatzkräfte der Polizei und Rettungsdienste in der Nähe des Bahnhofs Brokstedt im Einsatz.

Jonas Walzberg / dpa

Gegen das Urteil legte der 33-Jährige Berufung ein. Das Landgericht habe zunächst Nachermittlungen veranlasst, ausserdem habe es terminliche Schwierigkeiten mit einem Sachverständigen gegeben. Deswegen habe ein Termin für einen neuen Prozess nicht angesetzt werden können. Weil die Dauer der Untersuchungshaft die Strafe des Amtsgerichts zu überschreiten drohte, habe das Landgericht den Haftbefehl am 19. Januar aufgehoben. Da nur der Verurteilte Berufung gegen das Urteil eingelegt hatte, hätte das Landgericht keine längere Haftstrafe aussprechen dürfen, erklärte Wantzen.

Was ist der Hintergrund der Tat?

«Die Hintergründe sind noch unklar, ebenso wie die Identitäten der Geschädigten», sagte die Polizeisprecherin. Der mutmassliche Täter habe die Menschen in dem noch fahrenden Zug angegriffen. Den Angaben der Sprecherin zufolge wurde auch der mutmassliche Täter verletzt. Zur Zahl der Verletzten gab es unterschiedliche Angaben - sie schwankte zunächst zwischen fünf und sieben. Auch war in mehreren Medienberichten von lebensgefährlich Verletzten die Rede.

Eine Frau aus Bad Bramstedt wartete wenige Meter entfernt vom Bahnhof auf ihre Tochter. Die 18 Jahre alte Studentin war mit dem Zug auf dem Rückweg von der Uni in Kiel. «Sie hat gesehen, wie ein Mensch vier Reihen vor ihr auf jemanden eingestochen hat», sagte die Mutter. Sie könne derzeit noch nicht mit ihrer Tochter sprechen, nur schreiben, sagte die sichtlich bewegte Frau. Die Tochter warte noch darauf, bei der Polizei eine Aussage zu machen. Die junge Frau sei zwar unverletzt. «Ich glaube aber, es geht ihr schlecht. Was sind das für Menschen, die so etwas machen?», sagte die Mutter.

Gegen 15 Uhr hatte die Polizei mehrere Anrufe von Fahrgästen aus dem Zug erhalten. Auf Benachrichtigung wurde der Zug gestoppt, worauf sich das Geschehen auf den Bahnsteig verlagert habe, so die Sprecherin. Dort sei der Täter festgesetzt worden, von wem könne sie noch nicht sagen. Der Mann, der mittelschwer verletzt sei, wurde demnach in ein Krankenhaus gebracht.

Das Verbrechen ereignete sich nach Angaben der Bundespolizei kurz vor 15.00 Uhr vor der Ankunft des Zuges im Bahnhof Brokstedt im Kreis Steinburg. Der Bahnhof wurde vorerst gesperrt. Brokstedt ist eine kleine Gemeinde an der Bahnlinie zwischen Elmshorn und Neumünster.

Was weiss man über die Opfer?

Es handele sich um einen 16-Jährigen und einen 19-Jährigen, sagte die schleswig-holsteinische Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack am Donnerstag vor Beginn einer Landtagssitzung.

«Es ist ganz furchtbar. Wir sind alle völlig erschrocken und entsetzt, dass sowas passiert ist», sagte sie dem NDR. Die Ministerin bekam die Nachricht im Landtag und beriet sich mit Ministerpräsident Daniel Günther. Sie traf noch am frühen Abend in Brokstedt ein.

Sie traf noch am frühen Abend in Brokstedt ein: Innenministerin von Schleswig-Holstein, Sabine Sütterlin-Waack.

Sie traf noch am frühen Abend in Brokstedt ein: Innenministerin von Schleswig-Holstein, Sabine Sütterlin-Waack.

Jonas Walzberg / dpa

Sie sei «in Gedanken bei den Familien und Angehörigen der Opfer» und danke «den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die den Täter festgenommen haben sowie allen Rettungskräften, die die Verletzten versorgt haben», hiess es in einer Mitteilung ihres Ministeriums. Bundes- und Landespolizei arbeiteten eng zusammen. «Für mich steht fest, dass sich die entsetzliche Tat gegen jede Menschlichkeit richtet», wurde Sütterlin-Waack in der Mitteilung zitiert.

Nach Angaben der Bahn war der Zugverkehr zwischen Flensburg und Hamburg sowie zwischen Kiel und Hamburg beeinträchtigt. Die Deutsche Bahn teilte am Abend mit: «Den Angehörigen der Opfer gehört unser tiefes Mitgefühl. Den Verletzten wünschen wir eine baldige und vollständige Genesung.»

Bild: Gregor Fischer / dpa

Am Donnerstag stand in einem der Wartehäuschen am Bahnsteig eine helle Kerze in einem hohen Glas.

Ansonsten fanden sich kaum noch Spuren von dem Angriff. Lediglich einige Kamerateams rund um den Bahnhof waren zu sehen. (dpa)