Freizeitnutzung der Wälder erreicht kritisches Ausmass – erste Kantone setzen Ranger ein

Auf dem Höhepunkt der Coronakrise sind viele Menschen öfters in den Wald gegangen. Der Druck auf Fauna und Flora dürfte wegen den Reisebeschränkungen auch diesen Sommer höher sein als sonst. Der Kanton Zug setzt deshalb neu Wald-Ranger ein – und ist damit nicht allein.

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(gb./agl) Mit der Coronakrise kam der Dichtestress in den Wald. Spaziergänger, Biker, Jogger: Viele Leute zog es während des Lockdowns vermehrt in die Abgeschiedenheit des Waldes. Wie die Behörden im Kanton Zug festgestellt haben, hat sich die Lage für Waldtiere- und Pflanzen bis heute nicht entspannt. «Neue Wege und Rastplätze entstehen unkontrolliert», liess der Kanton vergangene Woche in einer Mitteilung verlauten. Zudem sei es bei dem starken Besucheraufkommen immer schwieriger, die Sicherheit bei Waldarbeiten und Holzschlägen zu gewährleisten.

Das Problem der zunehmenden Belastung durch Waldbesucher kennt man auch beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), wie ein Anfrage von CH Media zeigt. Gemeinsam mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat es eine Umfrage durchgeführt, wonach vor allem in der Deutschschweiz und an Stadträndern die Waldnutzung während des Lockdowns stark angestiegen ist. Auf dem Land und in stark betroffenen Regionen wie dem Tessin gingen die Menschen jedoch seltener in den Wald als zuvor.

Menschen flüchteten vor der Krisenstimmung

Dass die Studienautoren die Situation von vor und nach dem Lockdown so gut vergleichen konnten, ist einem glücklichen Zufall geschuldet. Alle zehn Jahre wird die Bevölkerung zu ihrem Verhältnis zum Wald befragt. Die jüngste Umfrage bei rund 8000 Personen endete am 9. März – just vor dem Lockdown. Die Forscher entschlossen, die Umfrage bei 1000 Personen im April zu wiederholen, um sich ein Bild von den veränderten Verhaltensweisen machen zu können.

Dabei zeigte sich auch, dass sich die Gründe für einen Waldbesuch verändert hatten. Vor der Krise waren es soziale Motive – etwa ein Picknick mit Freunden – welche die Menschen in den Wald lockten. Während der Krise gaben viele an, zum Wohl der geistigen und körperlichen Gesundheit in den Wald zu gehen.

Ranger als Wächter des Waldes

Weil der Kanton Zug nicht davon ausgeht, dass sich die Situation mittelfristig verbessern wird, setzt er vorerst bis im Oktober auf eine verstärkte Waldaufsicht durch Forstbetriebe oder private Ranger-Dienstleister. Sie sollen neu entstandene Wege oder Grillstellen aufheben, die Waldbesucher lenken und sensibilisieren. Am Abend und an den Wochenenden soll die Aufsicht verstärkt stattfinden.

Gemäss dem Bafu sind solche Massnahmen auch in stark besuchten Gebieten wie dem Alpstein, Appenzell, oder beim Creux du Van im Kanton Neuenburg bereits ergriffen worden. Beispielsweise würde der Zugang zum Wald an den Wochenenden unter dem Einsatz bezahlter Ranger teilweise eingeschränkt.

Generell gelte in Schweizer Wäldern aber nach wie vor freier Zugang, hält das Bafu fest. So auch im Kanton Zug: Es gehe nicht um zusätzliche Restriktionen, wird der Zuger Regierungsrat Andreas Hostettler in der Mitteilung des Kantons zitiert. Ziel sei, die Situation besser überblicken zu können und eine naturverträgliche Waldnutzung zu ermöglichen.