Libyens Kriegsgegner einigen sich in Marokko – Fortsetzung der Gespräche in der Schweiz

Libyens Kriegsgegner haben sich nach eigenen Angaben über die Besetzung von Schlüsselpositionen in dem Bürgerkriegsland geeinigt. Bereits nächste Woche könnten die Gespräche in Montreux weitergehen.

Drucken
Teilen
In Libyen herrscht seit dem Sturz Gaddafis Krieg – hier eine Archivaufnahme von 2016. Nun einigen sich die Kriegsgegner auf Grundsätze für den Frieden.

In Libyen herrscht seit dem Sturz Gaddafis Krieg – hier eine Archivaufnahme von 2016. Nun einigen sich die Kriegsgegner auf Grundsätze für den Frieden.

Manu Brabo / AP

(sat/dpa) Die Kriegsgegner in Libyen haben fünf Tage lang in Marokko verhandelt. Eine «umfassende Vereinbarung über Kriterien und Mechanismen» sei dabei erreicht worden, hiess es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung. Einzelheiten wurden nicht genannt. Bereits nächste Woche sollen die Gespräche zur Umsetzung des Abkommens weitergehen. Dannzumal einerseits mit anderen Fraktionen zu Hause, darunter politische Parteien und Überbleibsel des Gaddafi-Regimes. Andererseits aber auch mit hochrangigen Vertretern in der Schweiz, wie libysche Medien berichten. Hier trafen sich diese Woche parallel zu den Gesprächen in Marokko ebenfalls bereits Vertreter der Konfliktparteien.

Laut Angaben der UNO ist man sich dabei auch in der Schweiz näher gekommen. Einzelheiten wurden allerdings auch dazu keine genannt. Laut libyschen Medienberichten einigte man sich hier jedoch auf die Grundlage von Wahlen in dem nordafrikanischen Land bis im Dezember 2021. Die Gespräche zwischen den Kriegsgegnern in Libyen werden von der Europäischen Union und der UNO vermittelt. Laut Al-Jazeera sollen sie kommenden Montag und Dienstag in Montreux fortgeführt werden.

Waffenruhe stärken und Lösung suchen

Mehr als zwei Wochen nach Verkündung einer Waffenruhe hatten sich die libyschen Konfliktparteien am 7. September zu Gesprächen in der marokkanischen Stadt Bouznika getroffen. Ziel der anfangs für zwei Tage angesetzten Gespräche war es, die Waffenruhe zu stärken und den Weg zu Verhandlungen über eine Lösung der Streitigkeiten in dem Land zu ebnen.

Ein Vertreter des Hohen Staatsrates, eines beratenden Gremiums der international anerkannten Regierung Libyens (GNA) um Regierungschef Fajis al-Sarradsch, sagte am Donnerstag, dass sich beide Seiten auf der Grundlage eines geografischen Verteilungssystems auf konkrete Gebietszuordnungen in Libyen geeinigt hätten. Man müsse jedoch «mit der offiziellen Bekanntgabe warten, bis sie von anderen Parteien gebilligt werden», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Gespräche sollen ihm zufolge am 25. September wieder aufgenommen werden. Libysche Medien dagegen nennen bereits den 17. September als Start.

Seit dem Sturz Gaddafis herrscht Krieg

Libyens internationale Regierung in der Hauptstadt Tripolis hatte vor mehr als zwei Wochen eine Waffenruhe verkündet, der sich auch das Parlament in Ost-Libyen anschloss. Die selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) des einflussreichen Generals Chalifa Haftar zweifelte jedoch an einer Waffenruhe und bezeichnete sie als Manöver. Haftar ist eigentlich mit dem Parlament im Osten Libyens verbündet. Er hatte im vergangenen Jahr eine Offensive auf Tripolis begonnen.

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. Die Regierung von al-Sarradsch kontrolliert nur kleine Gebiete rund um Tripolis, Haftars Truppen waren zuletzt bis vor die Tore der Hauptstadt vorgerückt. Beide Seiten werden von unterschiedlichen Ländern aus dem Ausland unterstützt, die nach UN-Angaben auch das Waffenembargo der Vereinten Nationen unterlaufen. Während die Türkei die Regierung in Tripolis unterstützt, erhält Hafter Hilfe unter anderem von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Russland.