Schweizerischer Gemeindeverband fördert Milizsystem neu mit Zertifikaten

Der Schweizerische Gemeindeverband beteiligt sich an einem Zertifikat für Gemeinderäte – und stösst auf überraschend hohes Interesse.

Gina Bachmann
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Ein Amt im Gemeinderat kann durchaus lehrreich sein. Der Gemeindeverband will die Anerkennung des Amt stärken. (Archivbild)

Ein Amt im Gemeinderat kann durchaus lehrreich sein. Der Gemeindeverband will die Anerkennung des Amt stärken. (Archivbild)

Reto Martin

Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) hat sich die Stärkung der Gemeinderäte zum Ziel gesetzt. Während er 2019 zum «Jahr der Milizarbeit» erklärte, konzentriert sich der Verband im laufenden Jahr auf konkrete Massnahmen. Auf Anfang 2020 ist er zum Beispiel eine Kooperation mit dem Schweizer Kaderorganisation (SKO) eingegangen, um Zertifikate für Gemeindepräsidenten und Gemeindepräsidentinnen zu vergeben.

Sprung über den Röstigraben

Die Idee dahinter ist, dass sich Mitglieder von Gemeindeexekutiven ihre im Amt erworbenen Qualifikationen offiziell bescheinigen lassen können. Dies macht ein Milizamt laut dem Gemeindeverband für Interessierte attraktiver, weil ihre Führungsarbeit damit in der beruflichen Welt besser anerkennt wird. Vor allem kleine Gemeinden in der Schweiz bekunden seit zunehmend Mühe, frei werdende Ämter zu besetzen.

Das Zertifikat, welches von der SKO vergeben wird, gibt es seit 2015 – sei jedoch bis anhin mit ein paar wenigen Ausnahmen erst in der Romandie erworben worden, sagt Jürg Eggenberger der Geschäftsleiter der SKO auf Anfrage. Durch die Kooperation mit dem Gemeindeverband soll es nun auch in der Deutschschweiz bekannter gemacht werden. Um dies zu erreichen, macht der Gemeindeverband in seiner aktuellen Verbandszeitschrift einen Aufruf an interessierte Gemeinden. Für den SGV war das ein Erfolg. Nach kurzer Zeit hätten sich schon 20 Gemeinden gemeldet, sagt Christoph Niederberger, der Direktor des Verbands, gegenüber CH Media.

Führungsarbeit an Hochschulen anerkennen?

Das Zertifikat wird aber nicht dem Gremium ausgestellt, sondern individuell den Mitgliedern des Gemeinderats. Eggenberger von der SKO erklärt den Ablauf des Verfahrens wie folgt: Zunächst müsse die interessierte Person eine Evaluation über ihre Qualifikationen erstellen und Belege dafür liefern. Danach gäbe es mit den Kandidaten ein persönliches Gespräch mit anerkannten Coachs, welche dann über die Zertifizierung entscheiden. Um das Zertifikat überhaupt beantragen zu können, muss man laut Eggenberger seit vier Jahren Mitglied in einer Gemeindeexekutive sein.

Das Zertifikat kostet 1000 Franken. Durch die neue Kooperation kostet es für Exekutivpolitiker von Mitgliedsgemeinden des SGV nur 850 Franken. Für den Gemeindeverband ist es nicht die einzige Massnahme, um die Milizarbeit zu stärken. Er will bald einen Vorstoss im Parlament lancieren, damit die Führungsarbeit von Milizpolitikern an Lehrgänge an Schweizer Hochschulen angerechnet werden kann.