Sintflutartige Regenfälle im Tessin: Eindrückliches Bild- und Videomaterial aus dem Süden

Die zweite Nacht in Folge hat es im Tessin und in Graubünden äusserst stark geregnet. Diesmal traf es vorab die nördliche Südschweiz. Aber auch nördlich der Alpen sind die Auswirkungen des Starkregens zu spüren.

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Im Tessin hat es die zweite Nacht in Folge teils äusserst heftig geregnet. Im Bild: Die überflutete Kantonsstrasse bei Cresciano, dahinter Wasserfälle.

Im Tessin hat es die zweite Nacht in Folge teils äusserst heftig geregnet. Im Bild: Die überflutete Kantonsstrasse bei Cresciano, dahinter Wasserfälle.

Alessandro Crinari / Keystone

(sat) Im Tessin und in Graubünden regnet es zwar immer noch in Strömen. Doch das Schlimmste scheint vorüber, meldet am Sonntagmorgen das Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI). Bis Mittag wollten die Einsatzkräfte noch in Alarmbereitschaft sein, berichtet RSI mit Verweis auf Polizei und Feuerwehren im Tessin. Letztere seien allerdings noch immer stark gefordert wegen überfluteter Keller oder mit der Räumung von Strassen nach von Hangrutschen und Murgängen.

Wie MeteoNews am Sonntagmorgen meldet, ist im Süden und Osten der Schweiz auch in der vergangenen Nacht äusserst viel Regen gefallen. Besonders betroffen war diesmal das nördliche Tessin. Die grösste Niederschlagsmenge wird aus Cevio im Maggiatal gemeldet. Dort sind bis 6 Uhr innert 24 Stunden 254 Millimeter Regen gemessen worden. In der Magadinoebene bei Locarno fiel mit 243 Millimeter nur leicht weniger Wasser vom Himmel. Beides sind Tageswerte, die weit über dem sonst üblichen Durchschnittswert im Tessin für den ganzen Monat August liegen.

Trotzdem gehen die Tessiner Behörden laut Mitteilungen vom Samstagabend nicht davon aus, dass die Seen über die Ufer treten werden. Aufgrund der lokal bisweilen äusserst heftigen Regenfälle warnt der Bund jedoch im Sopraceneri, in den Urner Alpen sowie in Mittelbünden vor Hochwassern in kleinen und mittleren Flüssen. Ebenfalls die Stufe 3 («Erhebliche Hochwassergefahr») hat der Bund bis am kommenden Montag für die Flüsse Ticino und Rhein ausgerufen.

Hinter einem Auto stürzen gewaltige Wassermassen einen Wasserfall hinab – das Bild wurde in Cresciano aufgenommen.
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Cresciano: Das Dorf ist stark vom Regen betroffen, die Wasserfälle führen enorme Wassermengen ab.
Das Wasser steht auch mitten in Dörfern (hier Osogna) schon mehr als knöchelhoch.
Ein Bach im Dorf Osogna führt derzeit viel mehr Wasser als üblich.
Der Fluss Cassarate führt viel Wasser.
An der Mündung in den Luganersee ist das Wasser aufgrund der starken Niederschläge dreckig.
Das Rheinufer von Diepoldsau zum Bodensee wurde nach ergiebigen Regenfällen gesperrt.
Während ein ICN-Zug vorbeifährt, tobt im Hintergrund ein Wasserfall – aufgenommen in Cresciano.
Regenschirme gehören im Tessin an diesem Wochenende zur Grundausrüstung.
Braunes Wasser, wo man nur hinsieht: Cresciano ist stark von den Regenfällen betroffen.
Bei einem Schacht wurde der Abflussdeckel entfernt, damit das Wasser ungehindert abfliessen kann.
Gummistiefel sind schon fast Pflicht.

Hinter einem Auto stürzen gewaltige Wassermassen einen Wasserfall hinab – das Bild wurde in Cresciano aufgenommen.

Bild: Keystone

Am Samstag verursachten die Regenfälle laut RSI zahlreiche Erdrutsche, Schlammlawinen und Überschwemmungen der Flussufer. Die kritischsten Situationen wurden in Bellinzona, Riviera und Gambarogno gemeldet. Das Verzascatal war laut TCS zeitweise vom Verkehr abgeschnitten. Acht Häuser mussten laut dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz evakuiert werden. Dabei hätten ein Dutzend Menschen vorübergehend ihre Häuser verlassen müssen. Meldungen über Verletzte aufgrund der aktuellen Starkregen gibt es bislang nicht.

Heftige Regenfälle auch nördlich der Alpen

Südlich des Ceneri, in Lugano beispielsweise, sind am zweiten Tag der vorausgesagten Starkregen gerade mal noch 117 Millimeter Niederschlag gemessen worden. Diese Region war am Freitag und Samstag jedoch besonders stark betroffen gewesen von den Unwettern. Vergleichbare Regenmengen sind in den letzten 24 Stunden auch nördlich der Alpen gemessen worden – auf dem Gütsch bei Andermatt (UR) beispielsweise 101 Millimeter, in Thusis (GR) 99 Millimeter oder in Glarus 96 Millimeter.

Für den heutigen Sonntag prognostiziert MeteoNews im Süden weiterhin «gewittrig durchsetzten Regen». Auch im Norden werde es «verbreitet und zum Teil kräftig» regnen. Letztmals eine vergleichbare Unwetterwarnung der höchsten Stufe 5 ausgegeben hat MeteoSchweiz übrigens vor 14 Jahren, wie die Wetterfrösche des Bundes in ihrem Wetterblog schreiben. Damals allerdings erfolgte die Warnung im Zusammenhang mit ergiebigen Schneefällen auf der Alpensüdseite.