Unwetter in der Schweiz
Hochwasser: Einzig am Neuenburgersee ist die Lage noch kritisch

Beim Hochwasser in der Schweiz stehen die Zeichen definitiv auf Entspannung. Dem trockenen Wetter sei Dank. Die Pegel der betroffenen Seen sinken. Kritisch bleibt die Situation am Neuenburgersee.

Reto Wattenhofer
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«Land unter» heisst es weiterhin zum Beispiel auf dem Campingplatz in Cheseaux Noréaz in der Romandie.

«Land unter» heisst es weiterhin zum Beispiel auf dem Campingplatz in Cheseaux Noréaz in der Romandie.

Keystone

Während vielerorts die Pegel gesunken sind, vermeldete der Neuenburgersee am Montagmorgen noch einen neuen Rekordstand von 430,73 Metern – und damit 29 Zentimeter höher als 2015. Danach stabilisierte sich jedoch im weiteren Verlauf des Tages die Lage. Ein Rückgang werde auch in den nächsten 24 bis 48 Stunden erwartet, teilten die Neuenburger Behörden mit.

Leidtragender dieser Entwicklung ist der Bielersee, wo der Pegel zuletzt stagnierte. Grund dafür ist, dass nun wieder Wasser aus dem Neuenburgersee rein fliesst. Obwohl vorläufig kein Regen zu erwarten ist, dürfte es noch bis Ende Woche dauern, bis am Bielersee die Hochwassergrenze wieder unterschritten ist. Beim Thunersee dürfte dies bereits morgen Dienstag der Fall sein, wie die Berner Behörden in einer Mitteilung betonen.

Entspannt hat sich die Situation im Kanton Schwyz. So konnte die Seestrasse zwischen Lauerz und Seewen bereits am Sonntagmorgen wieder für den Verkehr freigegeben werden. Aufgehoben ist nun auch die Sperrung Brunnens. Lediglich im Bereich der Gersauerstrasse gibt es innerorts noch Sperrungen, wie der Kanton Schwyz in einer Medienmitteilung vom Montag schreibt.

Arbeit der Einsatzkräfte dauert an

Viel Arbeit fällt weiterhin für die Einsatzkräfte an. Die Berner Behörden haben bislang über 4000 Kubikmeter Treibholz aus den Berner Seen entnommen. Der Grossteil davon im Thunersee. Ziel der Massnahme ist es, dass sich kein Schwemmholz vor den Anlagen zur Seeregulierung aufstaut und den freien Durchfluss beeinträchtigt. Bei den Aufräumarbeiten werden die Behörden auch vom Zivilschutz unterstützt.

In der Thuner Innenstadt haben Schutz und Rettung begonnen, die Hochwassersperren zurückzubauen. Auch in der Stadt Luzern werden die Schutzmassnahmen nun Schritt für Schritt abgebaut. Das dürfte aber einige Tage in Anspruch nehmen, wie die Stadt mitteilte.

Behörden raten vom Baden ab

Nicht gebannt ist vorerst die Hochwassergefahr. Die höchste Gefahrenstufe (Stufe 5) gibt es gemäss der Naturgefahrenkarte des Bundes noch für den Bielersee. Dort gilt eine «sehr grosse Gefahr». Die zweithöchste Gefahrenstufe hat der Bund für den Neuenburger-, Thuner, Vierwaldstätter- und Zürichsee ausgerufen.

Obwohl die Sonne präsent ist, ist für die Bevölkerung weiterhin Vorsicht geboten. In überfluteten Waldgebieten besteht eine Baumsturzgefahr. Dies vor allem in windigen Zeiten, wie die Neuenburger Behörden betonen. Auf allen Seen von Neuenburg, Murten, La Thièle und dem Kanal La Broye bleibt zudem die Schifffahrt verboten.

Aufgrund des starken Wellenganges und der starken Strömung wird generell vom Baden abgeraten. An einigen Orten ist es auch verboten. Viele Strandbäder sind sowieso geschlossen. Für den Genfersee empfiehlt die Polizei zudem, das Segeln bei starkem Wind zu vermeiden. Im Fokus stehen dabei vor allem kleine Boote wie Paddleboards, Kajaks, Ruderer, Schlauchboote und Windsurfer.