Zecken: Die Gefahr lauert im Naherholungsgebiet – aber nur im Frühling

Eine Auswertung der Daten der App «Zecke» macht Zecken-Hotspots sichtbar. Wegen der Corona-Krise könnten dieses Jahr mehr Personen von Zeckenbissen betroffen sein.

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Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen.

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen.

Keystone

(wap) Dass Zecken hauptsächlich im Frühsommer zuschlagen, ist nicht neu. Eine Untersuchung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW hat nun aber mit hoher Auflösung analysiert, wo und wann in den letzten fünf Jahren Zeckenbisse gemeldet wurden. Grundlage ist die App «Zecke». Das Resultat zeigt eine klare zeitliche und räumliche Verteilung. Im Frühling liest man die Zecken nur vereinzelt in tiefen Lagen auf. Im April und Mai häufen sich dann die Meldungen aus den Naherholungsgebieten und beliebten Ausflugszielen. Mit der Sommerhitze gehen die Meldungen wieder zurück und verschwinden im Herbst ganz: Die Zecken vertragen weder grosse Hitze noch Kälte.

Mit den Daten wollen die ZHAW-Forscher nun eine Art Wetterbericht für Zecken erstellen: Das Risiko, gebissen zu werden, könnte dann für die jeweils nächsten 14 Tage dargestellt werden. Davon könnten zum Beispiel Schulen profitieren, etwa wenn es darum geht, eine Schulreise oder eine Projektwoche in der Natur zu organisieren. So könne man das Risiko minimieren, schreibt die ZHAW in einer Medienmitteilung.

BAG empfiehlt Impfung

Dieses ist in den letzten Jahren unter anderem deshalb gestiegen, weil sich der Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in der Schweiz ausgebreitet hat. Mittlerweile gehören die ganze Deutschschweiz und grosse Teile der Romandie zum Risikogebiet, ausgenommen sind nur noch die Kantone Genf und Tessin. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt deshalb allen, die sich im Sommer oft in der Natur aufhalten, sich gegen FSME impfen zu lassen. Keinen Impfschutz gibt es gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Lyme-Borreliose. Diese muss frühzeitig entdeckt und mit Antibiotika behandelt werden.

Möglicher Anstieg wegen Corona

Da wegen der Coronakrise in diesem Jahr mehr Menschen in Naherholungsgebieten unterwegs waren als sonst, könnte es auch zu einem Anstieg der Zeckenbisse kommen. «Aufgrund erster Daten ist anzunehmen, dass das veränderte Bewegungsmuster der Outdoor-Aktiven öfter zum Zeckenkontakt in Naherholungsgebieten führt als in den Vorjahren», zitiert die ZHAW-Mitteilung den Forscher Werner Tischhauser. Die Hochschule werde eine detaillierte Datenanalyse vornehmen.

Erste Hinweise geben die Daten des Bundesamts für Gesundheit: Seine Hochrechnungen zeigen, dass es bis Ende April 5’200 Arztbesuche wegen Zeckenstichen gab – mehr als doppelt so viele wie in der gleichen Periode im Vorjahr. Diese Zahl ist aber mit Vorsicht zu geniessen: Er gehe davon aus, dass die Zeckenstatistik 2020 verzerrt sei, erklärte BAG-Sprecher Daniel Dauwalder am Montag gegenüber dem «Tages-Anzeiger.» Denn die Zeckenbisse werden mit dem Meldesystem «Sentinella» erfasst, das dieses Jahr wegen der Pandemie an den Anschlag kam.