Abschaltung von UKW: Die SRG will ab August 2022 nur noch digital senden, die Privatradios sollen im Januar 2023 folgen

Die Radiosender treiben den Umstieg auf die neue Technologie DAB+ voran. Jetzt steht ein konkreter Fahrplan. Die SRG will schon in zwei Jahren die UKW-Verbreitung einstellen.

Stefan Ehrbar
Drucken
Teilen
Bald nur noch digital: Radiosendungen von SRF (Aarau, 23. Januar 2018).

Bald nur noch digital: Radiosendungen von SRF (Aarau, 23. Januar 2018).

CH Media

Schweizer Radiosender wollen in Zukunft nur noch den digitalen Standard DAB+ für die Verbreitung ihrer Signale nutzen. Die früher dominante Verbreitungstechnologie UKW soll eingestellt werden. Am «Swiss Radio Day» vom Donnerstag, der wegen der Coronakrise digital durchgeführt wurde, ist nun ein konkreter Fahrplan vorgestellt worden.

Laut Iso Rechsteiner von der Arbeitsgruppe Digimig, die den Wechsel zu DAB+ koordiniert und in der sowohl die SRG als auch die Privatradios und die Behörden vertreten sind, soll die SRG die Verbreitung ihrer Radiosender im August 2022 einstellen. Etwas später, im Januar 2023, sollen die Privatradios folgen.

SRG hat Abschaltung zugestimmt

Die SRG habe diesem Zeitplan bereits zugestimmt, sagte Rechsteiner. Die Radioverbände der Privatradios hingegen haben das Thema noch nicht abschliessend behandelt. Sollten sie dem Fahrplan zustimmen, will die Branche die Öffentlichkeit nächstes Jahr informieren.

DAB+ bietet im Vergleich zur früher dominanten Technologie UKW mehr Kapazitäten und damit eine grössere Programmauswahl. Auch ermöglicht DAB+ eine bessere Klangqualität, effizientere Sendernetze und digitale Zusatzdienste. Allerdings benötigt die neue Technologie auch entsprechende Empfänger. So müssen etwa Autoradios, die nur UKW-Signale empfangen können, ausgewechselt werden.

DAB+ ist der beliebteste Empfangsweg

Seit letztem Jahr findet laut Zahlen von Digimig erstmals mehr als die Hälfte der Schweizer Radionutzung auf digitalen Wegen statt, wozu auch DAB+ gehört. Demnach war DAB+ im Herbst 2019 mit einem Anteil von 37 Prozent der gehörten Radiominuten der meist genutzte Verbreitungsweg und konnte seinen Anteil innert vier Jahren um 14 Prozentpunkte steigern. IP-Radio und weitere digitale Kanäle erreichten einen Anteil von 31 Prozent, UKW kam auf 32 Prozent.

Derzeit senden die meisten Radios ihre Signale sowohl über DAB+ als auch über UKW. Diese Doppelverbreitung verursacht allerdings hohe Kosten. Die Abschaltung von UKW hat auch in der Radiobranche vehemente Kritiker. So bezeichnet Roger Schawinski, dem der Zürcher Sender Radio 1 gehört, die Umstellung als den «falschen Weg» und kündigte an, sich möglicherweise nicht an einen Abschalttermin halten zu wollen. Kritik kam zuletzt auch von kleineren Radiosendern, weil die Technologieförderung, die ihnen der Bund für die Umstellung ausbezahlt, reduziert wurde.

Mehr zum Thema