Corona-Flaute auf dem Biermarkt: Schweizerinnen und Schweizer tranken 2020 rund 34 Millionen Stangen weniger

Der Schweizer Biermarkt verzeichnete im Braujahr 2019/20 ein Minus von 2,2 Prozent. Zulegen konnten alkoholfreie und ausländische Biere.

Gabriela Jordan
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Die Coronakrise trifft auch die Brauereien. Im Bild ist die Brauerei Mettmenstetten im Kanton Zürich zu sehen.

Die Coronakrise trifft auch die Brauereien. Im Bild ist die Brauerei Mettmenstetten im Kanton Zürich zu sehen.

Zvg / Anzeiger Bezirk Affoltern

Abgesagte Fussballspiele, Schwingfeste und Konzerte: Die coronabedingten Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens haben auch Auswirkungen auf die Brauereien. Im Braujahr 2019/20 (Oktober 2019 bis September 2020) verzeichnete der Schweizer Biermarkt im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Minus von 2,2 Prozent auf 4'636'905 Hektoliter Bier (= 463'690'500 Liter). Dies gab der Schweizer Brauereiverband (SBV) an einer virtuellen Medienkonferenz am Dienstag bekannt. In anderen Worten: Die Schweizer tranken rund 34 Millionen Stangen Bier weniger.

Am stärksten war der Rückgang während des Lockdowns im Frühling. «Die Absatzkanäle der Brauereien brachen von heute auf morgen ein und sind teilweise jetzt noch eingeschränkt», sagte Direktor Marcel Kreber, der als virtuellen Konferenz-Hintergrund ein grosses Glas Bier gewählt hatte. Der Anteil des in der Gastronomie abgesetzten Bieres reduzierte sich im gesamten Braujahr demnach um über 23 Prozent auf einen Gesamtanteil von nur noch 30 Prozent.

Im Gegensatz dazu stieg der Absatz im Detailhandel um 7,6 Prozent auf einen Gesamtanteil von nunmehr 70 Prozent. «Dieser Zuwachs erfolgte auch zu einem gewissen Teil zugunsten von ausländischem Bier», so Kreber weiter. Nach sechs Jahren der Abnahme sei erstmals wieder eine Zunahme beim importierten Bier von 6,9 Prozent zu verzeichnen. Der Anteil der Bierimporte am Gesamtmarkt beträgt so neu 24,3 Prozent statt wie letztes Jahr 22,2 Prozent.

Gestiegen ist auch der Konsum von alkoholfreien Bieren. Laut dem Brauereiverband konnte eine «erfreuliche Zunahme» um 10,3 Prozent verzeichnet werden. Der Anteil aller alkoholfreien Biere (inländisch und ausländisch) am Gesamtmarkt beträgt mittlerweile 4,2 Prozent – Tendenz weiterhin steigend.

Aufholjagd im Sommer – trübe Aussichten für den Winter

Dank dem Sommer scheinen die Schweizer Brauereien aber doch glimpflich davon gekommen zu sein. Nach dem Einbruch im Frühling – laut Kreber die für den Biermarkt wichtigste Zeit – konnten wieder Werte auf Vorjahresniveau erreicht werden. Im Ferienmonat August, als mehr Schweizerinnen und Schweizer als sonst im Land blieben, wurden die Werte sogar leicht übertroffen.

Sorgen macht dem Brauereiverband aber die bevorstehende kalte Jahreszeit. Der «gemeinsame und unbeschwerte Genuss des sozialen Getränks Bier mit seiner ganzen Vielfalt» sei unter den «herrschenden Restriktionen» leider immer noch nicht vollumfänglich möglich, fasste SBV-Präsident und Nationalrat Nicolo Paganini die Situation zusammen. «Die Hälfte des Marathons haben wir geschafft. Ich hoffe wirklich, dass die Brauereien noch genügend Kraft und Ressourcen haben, den Winter zu überstehen.»

Laut dem SBV erzielt die schweizerische Brauwirtschaft einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Franken. Rund 50‘000 Arbeitsplätze seien direkt und indirekt mit ihr verbunden. Dem Verband gehören aktuell 26 Brauereien mit 30 Braustandorten an, die über 300 verschiedene Biere brauen.