Das sind die Gründe für den 226 Millionen Verlust von Alpiq

Es ist ein stattlicher Verlust, den Alpiq für das abgelaufene Jahr präsentiert. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Auch das lahmende Schweiz-Geschäft trägt dazu bei.

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Der Energiekonzern Alpiq machte 2019 einen grossen Verlust.

Der Energiekonzern Alpiq machte 2019 einen grossen Verlust. 

Keystone

(sel) Eigentlich hätte gar nicht Jens Alder diesen Millionen-Verlust präsentieren sollen. Erst im letzten Dezember ernannte der Alpiq-Verwaltungsrat den 48-jährigen André Schnidrig zum neuen Geschäftsführer. Er übernahm Anfang Jahr. Doch kaum im Amt wurde bei Schnidrig Darmkrebs diagnostiziert. Jens Alder musste einspringen. Interimistisch, wie er das schon zuvor während rund einem Jahr gemacht hatte. «Ich gehe davon aus, dass André nach den Sommerferien zurück sein wird», sagte Alder bei der Präsentation der Zahlen des abgelaufenen Jahres. Das sind erfreuliche Nachrichten – für Alpiq, für Alder, aber insbesondere natürlich für Schnidrig.

Das Ergebnis, das Alder indessen präsentierte, ist weit weniger eindeutig. So resultierte aus dem laufenden Geschäft vor Steuern und Sondereinflüssen ein Gewinn von 106 Millionen Franken. Aufgrund von Abschreibern und Wertberichtigungen weist Alpiq aber letztlich einen Verlust von 226 Millionen Franken aus. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. So erwähnt Interimsboss Alder mitunter die «historisch tiefen Strommarktpreise». Diese werden jeweils zwei bis drei Jahre im Voraus festgelegt. Und zwar für 34 Euro pro Megawattstunde. Allein die Tatsache, dass der Preis 2020 um fünf Euro ansteigt, lässt die Alpiq-Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft blicken.

Abschreiber im Kohle-Geschäft

Tiefe Spuren hat zudem der Kohle-Ausstieg hinterlassen. Die Abschreiber gehen hauptsächlich auf dieses abgestossene Geschäftsfeld zurück. Allerdings ermöglichte der Verkauf der tschechischen Braunkohlekraftwerke auch den Abbau der Nettoverschuldung von 247 Millionen Franken auf 206 Millionen. Insbesondere auch durch die Rückzahlung von Darlehen. Mit dem Verkauf reduzierte das Unternehmen seinen CO2-Ausstoss zugleich um 60 Prozent. Dass der Entscheid strategisch richtig war, zeigt mitunter der Blick auf die Preisentwicklung von CO2. Allein im Jahr 2018 verdreifachten sich diese und es ist damit zu rechnen, dass sie im Zuge der Umsetzung des «European Green Deal» weiter ansteigen.

Kopfzerbrechen bereitet dem Energiekonzern mit Sitz in Olten dagegen auch weiterhin das Schweizer Geschäft. Während man im laufenden Geschäft international Gewinn erwirtschaftete (136 Millionen), resultierte in der Schweiz ein Verlust von 26 Millionen Franken. «Wir sind nicht zufrieden mit dem Regulierungsrahmen in der Schweiz», kritisiert Jens Alder. «Ausser man kriegt Subventionen, investiert heute niemand in der Schweiz». Gründe dafür sieht er im starren Wasserzins, der einer eigentlichen Besteuerung der Wasserenergie gleich komme. Aber auch in der Tatsache, dass es noch immer kein Stromabkommen mit der EU gäbe. «So lange es das nicht gibt, können wir unsere Flexibilität nicht vermarkten», führte Alder aus.

Speicherung von Strom wird auch für Alpiq wichtig

Er denkt dabei insbesondere auch an Nant de Drance. Das Pumpspeicherkraftwerk im Wallis, an dem Alpiq zu 39 Prozent beteiligt ist, soll Mitte 2021 in Betrieb genommen werden. Es soll einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Schweizer und vor allem des europäischen Stromnetzes liefern. Denn je mehr Photovoltaik und Windräder für die Energieversorgung verantwortlich sein sollen, desto wichtiger wird das Thema Speicherung. Genauso wie die Prognosen von Sonne und Wind.

Sollte André Schnidrig im Sommer wieder einsteigen können, was zu hoffen ist, wird er genügend Arbeit haben. Gerade auch im Heimmarkt Schweiz.