Der Lufthansa-Chef zur Swiss-Rettung: «Wir wollen lieber am Kapitalmarkt verschuldet sein als beim Schweizer Steuerzahler»

Carsten Spohr, der Chef der Lufthansa-Gruppe, will Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen, um die Staatshilfen bis 2023 zurückzahlen zu können. Der Flughafen Zürich soll ein wichtiger Standort bleiben – trotz Flugticketabgabe.

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Für die Lufthansa ein lukratives Drehkreuz: Der Flughafen Zürich.

Für die Lufthansa ein lukratives Drehkreuz: Der Flughafen Zürich.

Keystone

(gb.) Vergangene Woche hat die Aktionärsversammlung der Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss gehört, dem Rettungspaket Deutschlands in der Höhe von 9 Milliarden Euro zugestimmt. Damit fliessen auch aus der Schweiz zusätzliche 1,257 Milliarden Franken in Form von Krediten zur Lufthansa – geknüpft an verschiedene Bedingungen. «Die grösste Belastung sind jedoch hohe Zinsen, unabhängig ob die Mittel aus Bern oder Berlin kommen», sagt Carsten Spohr, der Chef der Lufthansa-Gruppe in einem Interview mit der NZZ vom Samstag. «Mich hat aber erfreut, dass man in der Schweiz rasch realisiert hat, welche Relevanz die Swiss für das Land hat.»

Auf die Frage, ob die Lufthansa die Kredite fristgerecht bis ins Jahr 2023 zurückzahlen kann, sagte Spohr: «Die Lufthansa wird nicht schuldenfrei sein, aber wir wollen am Markt Kredite aufnehmen, um das Geld des Steuerzahlers in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich zurückzuzahlen. Wir möchten lieber am Kapitalmarkt verschuldet sein als beim Steuerzahler.»

Schweizer Markt ist lukrativ

Eine der Bedingungen, die die Lufthansa aufgrund der Staatshilfen akzeptieren musste, ist die Erhaltung des Flughafens Zürich als wichtiges Drehkreuz der Lufthansa. Für Spohr offenbar keine schwierig einzuhaltende Auflage: «Die Swiss ist so erfolgreich und der Schweizer Markt so lukrativ, dass wir das schon aus betriebswirtschaftlicher Logik so machen.»

Die Flugticketabgabe, die die Schweiz einführen will, nimmt Spohr sportlich. «Es gibt für den Luftverkehr nur eine Zukunft, wenn es auch eine klimapolitische Akzeptanz dafür gibt», so Spohr in der NZZ. Es sei jedoch wichtig, dass solche Abgaben den Wettbewerb nicht verzerren würden. «Ich möchte nicht, dass der Schweizer, der nach Singapur fliegt, mit der Konkurrenz den Umweg über Dubai oder Istanbul nimmt, nur weil er dann Abgaben sparen kann.»