Dessert, Proteine und vegane Drinks: Milchverarbeiter Emmi setzt auf trendige Produkte

Wegen der Corona-Angst laufen derzeit zudem Klassiker wie UHT-Milch gut.

Christopher Gilb
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Zufrieden mit dem Jahresergebnis: Emmi-CEO Urs Riedener und VR-Präsident Konrad Graber.

Zufrieden mit dem Jahresergebnis: Emmi-CEO Urs Riedener und VR-Präsident Konrad Graber.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Zwei Getränke stehen an der Bilanzmedienkonferenz von Emmi am Montag zur Degustation vor jedem Journalisten auf dem Tisch: der Emmi Almond Macchiato, ein Kaffee mit Mandel- statt Kuhmilch, und der Emmi Caffè Latte High Protein Mr. Big 370ml. Der Emmi Almond Macchiato repräsentiert eines der Wachstumsfelder des Konzerns, der Markt für vegane Milchalternativen, der Mr. Big ein weiteres: Proteindrinks. Diese sind im Trend, weil sie beim Muskelaufbau und Abnehmen helfen sollen. Als ein weiteres Wachstumsfeld nannte CEO Urs Riedener italienische Desserts. Emmi hat letztes Jahr als eine von fünf Akquisitionen, Beteiligungen oder Zusammenschlüssen die italienische Pasticceria Quadrifoglio übernommen. Nun soll eine ganze Serie unter dem Titel «Barista» vor allem für die USA lanciert werden.

Mit dem vergangenen Jahr zeigten sich die Exponenten des Milchverarbeiters aus Luzern zufrieden. «Wir blicken strategisch und finanziell auf ein gutes Jahr zurück», sagte Verwaltungsratspräsident Konrad Graber. Emmi erzielte 2019 einen Umsatz von 3,494 Milliarden Franken und wuchs damit organisch um 2,2 Prozent. Mit 4,1 Prozent am stärksten wuchs der Konzern in der Region Americas (Nord- und Südamerika). Erstmals wurde in dieser Region mehr als eine Milliarde Franken umgesetzt. Angepeilt wurde in der Region aber eigentlich ein Wachstum von 4 bis 6 Prozent. «Dass wir jetzt am unteren Ende sind, hat mehrere Gründe», sagte Urs Riedener. Einerseits seien dies die sozialen Unruhen in Chile aber auch die Milchknappheit in Tunesien. «Wir hätten mehr verkaufen können, wenn wir genügend Milch gehabt hätten.»

Dividende soll steigen

Auch in der Schweiz wuchs der Konzern aber nur um 1 Prozent, insgesamt trägt der Heimmarkt noch 47,9 Prozent zum Gesamtumsatz von Emmi bei; der Konzern wird immer internationaler. Das milchbasierte Geschäft in der Schweiz sei aber über die Jahre stabil, kommentierte Riedener. International der Spitzenreiter bei den Produktegruppen waren die verschiedenen Käsesorten, dicht gefolgt von den Molkereiprodukten. Emmi-Käse erhalten auch immer wieder Auszeichnungen: 26 waren es bei den letztjährigen Cheese Awards in Bergamo. Generell ein Wachstumsgarant sind Bioprodukte, diese machen bereits 10 Prozent des Umsatzes aus. Er freue sich, dass auch die Aktionäre an der erfolgreichen Entwicklung teilhaben könnten, so Urs Riedener. Die Dividende soll an der nächsten Generalversammlung von 9 auf 12 Franken erhöht werden.

Emmi und Hug 
spannen zusammen

Beide sind erfolgreiche Zentralschweizer Unternehmen. Nun haben der Backwarenhersteller Hug aus Malters und der Luzerner Milchverarbeiter Emmi das gemeinsame Produkt «Rahmkäse mit Dar-Vida» lanciert. Auf der einen Seite der Verpackung befinden sich Dar-Vida-Cracker von Hug, auf der anderen Luzerner Rahmkäse von Emmi. Bisher sei beides separat gekauft und dann zusammen gegessen worden, nun könne man es in einem Produkt kaufen, so Hug-Co-Chefin Anna Hug. Die beiden Firmen würden mit der Neulancierung dem Bedürfnis nach einer Zwischenverpflegung entsprechen. «Snacken ist ein riesiger Trend – ein Snack ersetzt auch mal das Frühstück, Mittag- oder Abendessen, wenn man wenig Zeit hat», sagt Anna Hug. Der Verkauf der Rahmkäse/Dar-Vida-Kombination läuft über Emmi und startet Mitte März. (cg)

Auch fürs 2020 rechnet der Konzern gesamthaft mit einem Umsatzanstieg von 2 bis 3 Prozent. Aufgrund der positiven Konsumentenstimmung als Konsequenz der tiefen Arbeitslosigkeit in vielen Ländern sei Emmi vorsichtig optimistisch, so Riedener. In der Schweiz wiederum werde der markante Importdruck und der Preiskampf im Detailhandel anhalten und auch der Einkaufstourismus bleibe ein Thema. Mit starken Markenkonzepten sollen aber auch leicht steigende Umsätze hierzulande erzielt werden.

Weniger Emissionen 
als geplant reduziert

Der Reingewinn betrug 2019 166,2 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Minus von 5,3 Prozent. Riedener erklärte diesen Rückgang durch eine gestiegene Steuerquote und höhere Minderheitsanteile. Informiert wurde auch über den Stand der Nachhaltigkeitsarbeit. So sollten unter anderem die Treibhausgase bis 2020 um 25 Prozent reduziert werden. «Hier haben wir noch zu tun, aber es gibt Fortschritte», so CEO Riedener. Die Reduktion beträgt derzeit 18 Prozent. Eines der Nachhaltigkeitsziele in der Periode 2021 bis 2027 ist nun, 100 Prozent recycelbare Verpackungen einzusetzen. Unter anderem könnte der Stülpdeckel weggelassen und durch einen Deckel für die Spülmaschine ersetzt werden. Zudem plant der Konzern, den Wasserverbrauch zu senken. In Ländern wie Tunesien, wo sowieso schon Wasserknappheit herrscht, sogar um die Hälfte. Ebenfalls sollen die direkten Emissionen um 60 Prozent gesenkt werden.

Gestellt wurde auch die Frage nach allfälligen Auswirkungen des Corona-Virus aufs Emmi-Geschäft. Heute sei der Einfluss vernachlässigbar, sagte Riedener. Effekte gebe es eher aufgrund der Hamsterkäufe, so sei mehr UHT-Milch, Käse und Gerber-Fondue verkauft worden. Was Italien betreffe, gehe es im Wesentlichen darum, Vorbereitungen zu treffen, um die Mitarbeiter zu schützen und die Produktion abwickeln zu können. Aber es gebe bereits erste Verzögerungen, etwa weil beispielsweise niemand mehr komme, um eine Maschine zu reparieren.

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