Ertragseinbruch
Pandemie trifft Physiotherapeuten stark: Jetzt fordern sie Unterstützung

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten mussten aufgrund der Coronapandemie starke Einbussen hinnehmen. Jetzt fordern sie Entschädigungen – auch für den künftigen zusätzlichen Aufwand.

Alice Guldimann und Samuel Thomi
Merken
Drucken
Teilen
Die Physiotherapiebranche leidet stark unter der Coronapandemie. (Symbolbild)

Die Physiotherapiebranche leidet stark unter der Coronapandemie. (Symbolbild)

Keystone

2020 haben Physiotherapeuten in der Schweiz deutlich weniger Behandlungen durchgeführt als üblich. Konkret seien ihnen von Januar bis September gegenüber dem erwarteten Volumen 95 Millionen Franken an Erträgen entgangen, erklärten Vertreter des Verbands Physioswiss am Dienstag in einer Online-Medienkonferenz. Dieser Rückgang stamme allein aus dem Bereich, der durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung vergütet wird. Gleichzeitig würden insbesondere kleinere Praxen durch die Maschen der Kurzarbeits- oder Härtefallregelungen von Bund und Kantonen fallen.

Zudem seien Auslastung und Erträge bis heute nicht wieder zurück auf dem Vor-Pandemie-Niveau. Und sie würden es voraussichtlich auch noch lange nicht wieder sein, heisst es in einer gleichentags versandten Mitteilung von Physioswiss. «Viele unserer Mitglieder befinden sich in einer schwierigen finanziellen Lage», wird Verbandspräsidentin Mirjam Stauffer darin zitiert. Angesichts der nicht kostendeckenden Vergütung sei es für viele Berufsleute schon vor Corona nicht möglich gewesen, Rücklagen zu bilden, sagte Stauffer an der Medienkonferenz. Und wegen des Risikos einer Verschuldung sei es für die meisten Praxen zudem kaum denkbar, einen Kredit aufzunehmen.

Pauschale für Schutzmassnahmen gefordert

Neben dem Ertragseinbruch belasten die Therapeutinnen und Therapeuten laut Physioswiss auch die laufenden Mietkosten und der Mehraufwand für Schutzvorkehrungen. Der Verband rechnet dabei mit Zusatzkosten von durchschnittlich 14'000 Franken pro Vollzeitäquivalent und Jahr. Dies für den zeitlichen Mehraufwand für Reinigung und das Umstellen der Dienstpläne sowie für Schutzmaterial wie Hygienemasken und Desinfektionsmittel.

Der Bund habe es bis jetzt abgelehnt, diese coronabedingten Mehrkosten mit einer Pauschale von 3.95 Franken pro Stunde zu vergüten, sagte Physioswiss-Geschäftsführer Osman Besic. Doch bereits heute sei klar, dass die Schutzmassnahmen die Arbeit in der Physiotherapie noch lange begleiten werden, schreibt der Verband. Er fordert deshalb eine Kurskorrektur von Behörden und Krankenkassen und die Einführung einer neuen Tarifposition «Schutzmassnahmenpauschale». Nur so kann laut Osman Besic eine «weitere Verschlechterung der physiotherapeutischen Versorgung» in der Schweiz verhindert werden.

Bessere Abgeltung auch für Tele-Physiotherapie

Weiter fordert Physioswiss eine «adäquate Abgeltung von Leistungen der Tele-Physiotherapie». Die aktuelle Tarifstruktur bilde Leistungen, die auf Distanz erbracht werden, nicht ab. Die Abgeltung mit 23 Franken für eine Leistung, die eine ganze Therapiesitzung ersetzen soll, sei deutlich zu niedrig und widerspreche den Grundsätzen zur Leistungstarifierung gemäss Krankenversicherungsgesetz. Physioswiss fordert deshalb eine Abgeltung mit 48 Taxpunkten, was 49 Franken entspricht.

Physioswiss ist der Dachverband der selbständige und angestellten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in der Schweiz. Laut eigenen Angaben sind ihm via verschiedene Regionalverbände insgesamt 10'600 Berufsleute angeschlossen, wovon etwa die Hälfte frei praktizierend ist.