«Finma fehlt das Gebiss!»
Nach Moçambique-Affäre der Credit Suisse: Jetzt wächst der Druck auf die Finanzmarktaufsicht

Nach der Moçambique-Affäre der Credit Suisse gerät auch die Finanzmarktaufsicht (Finma) unter Druck. Die Kritik: Der Behörde fehlt der Biss und kuscht vor den Banken.

Reto Wattenhofer
Drucken
Teilen
Ist die Finma zu zahm? Dieser Vorwurf wird nach dem jüngsten Skandal der Credit Suisse laut.

Ist die Finma zu zahm? Dieser Vorwurf wird nach dem jüngsten Skandal der Credit Suisse laut.

Keystone

Die Credit Suisse stand diese Woche ungewollt im Scheinwerferlicht. Die Grossbank hat eine Korruptionsaffäre in Moçambique beigelegt. Dafür muss sie in Grossbritannien und den USA 475 Millionen Dollar als Strafe bezahlen. Auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) kam zum Schluss, dass das Risikomanagement der Credit Suisse «in Zusammenhang mit den Kreditgeschäften» in Moçambique «schwerwiegende Mängel» aufwies. Weitere Folgen hat das hierzulande vorerst nicht.

Für den Berner Wirtschaftsprofessor Peter Kunz kommt das nicht von ungefähr. «Der Finma fehlt schlicht das Gebiss», sagte er im Interview mit der «SonntagsZeitung». Der Bankenexperte ortet im Schweizer System einen Fehler. Die Finma könne heute keine strafrechtlichen Bussen aussprechen. Nur: «Die einzige Sprache, die die Manager verstehen, sind Bussen, die den Banken und damit auch ihnen wehtun.» Kunz verweist auf die Millionenbussen der Wettbewerbskommission (Weko), etwa gegen die Swisscom. «Dann gibt es zwar ein Geschrei, aber es passiert etwas.»

Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz.

Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz.

zvg

Politik sieht Handlungsbedarf

Als problematisch erachtet Kunz auch, dass sich die Finma als «unterstützender Partner der Banken sieht, der mit sich reden lässt.» Die Behörde werde deshalb «nicht selten schlicht ignoriert». Laut Kunz ist das politisch auch so gewollt. Die Politik wünsche sich die Finma als «Wirtschaftsförderin». Kunz fordert eine scharfe Aufsicht «mit Biss».

Nun soll auch die Politik den Druck erhöhen. Auf Anfrage der «SonntagsZeitung» fordert Mitte-Präsident Gerhard Pfister griffigere Instrumente, damit die Finma Bussen aussprechen könne. Auch der Freiburger Nationalrat der Grünen, Gerhard Andrey, möchte gemäss Medienbericht der Finma Werkzeuge in die Hand geben, um die Führungsorgane zur Verantwortung zu ziehen.

Aktuelle Nachrichten