Kommentar

Fortschreitende Automatisierung in der Arbeitswelt: Die hiesige Bildungslandschaft muss agiler werden

Angesichts des digitalen Wandels, der auch zu tiefgreifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt führt, stellt sich die fundamentale Frage: Wie bleiben Arbeitnehmer ein Leben lang beschäftigungsfähig?

Gregory Remez
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Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft.

Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft.

Bild: Manuela Jans-Koch

Die fortschreitende Automatisierung in der Arbeitswelt schürt Hoffnungen und Ängste zugleich. Die einen fürchten um ihren Job. Andere glauben, bald von repetitiven Tätigkeiten erlöst zu werden. Oft bleibt dabei diffus, wie sich die technologischen Umwälzungen auf einzelne Berufe auswirken.

Nun haben Forscher der ETH Zürich und der Universität Bern konkrete Automatisierungspotenziale für Lehrberufe errechnet – und dabei grosse Unterschiede festgestellt. Während sich etwa die Tätigkeit einer medizinischen Praxisassistentin noch kaum automatisieren lässt, sind die Aufgaben eines Mediamatikers bereits heute zu 70 Prozent durch Maschinen ersetzbar, jene eines Polymechanikers gar zu 100 Prozent.

Das klingt erst mal besorgniserregend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass 2019 in der Zentralschweiz über 500 Jugendliche eine Lehre zum Polymech gemacht haben. Müssen sie sich bald nach einem neuen Job umsehen? Nun ja, ganz so linear dürfte die Entwicklung kaum vonstattengehen. Denn:

Nur weil ein Beruf automatisierbar ist, heisst es noch lange nicht, dass er in Zukunft auch verschwinden wird.

Nicht zuletzt erfordert es eine breite gesellschaftliche Debatte, bevor ganze Berufszweige Algorithmen überlassen werden. Fest steht aber: Die berufliche Mobilität wird zunehmen. Um diesem Wandel Rechnung zu tragen, muss die hiesige Bildungslandschaft noch agiler werden. Beispielsweise sollten Aus- und Weiterbildungsangebote künftig in jedem Betrieb berufsbegleitend nutzbar sein. Nur so bleiben Arbeitnehmer ein Leben lang beschäftigungsfähig.

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