Führungswechsel
Der frühere Mr. Coop wird neuer Verwaltungsratspräsident bei Pilatus

Patron Oscar J. Schwenk gibt beim Flugzeugbauer Pilatus das Verwaltungsratspräsidium ab. Sein Nachfolger wird der Ex-Verwaltungsratspräsident von Coop und Swisscom.

Christopher Gilb
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Hansueli Loosli wird neuer Verwaltungsratspräsident von Pilatus.

Hansueli Loosli wird neuer Verwaltungsratspräsident von Pilatus.

Severin Bigler

Oscar J. Schwenk tritt an der Generalversammlung von Pilatus nicht mehr als Verwaltungsratspräsident an. Dies teilte der Stanser Flugzeugbauer am Donnerstag in einer Mitteilung mit. Den Entscheid, sich zurückzuziehen, habe er schon x-mal forciert, erklärt der inzwischen 77-Jährige auf Nachfrage: «Aber die Firma war noch nicht so weit.» Das sei nun anders: «Wir haben inzwischen alle Flieger im Angebot, die wir wollen, ein gut gefülltes Bestellbuch und mehr als genug finanzielle Reserven.»

Der abtretende Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk.

Der abtretende Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk.

Dominik Wunderli (stans, 21.04.21)

1979 kam Schwenk als Ingenieur zu Pilatus, 1994 übernahm der Mann mit dem markanten Vollbart die Geschäftsleitung, ab Juli 2006 gleichzeitig das Verwaltungsratspräsidium. 2013 gab Schwenk die Geschäftsleitung ab, war aber noch Projektleiter bei der Entwicklung des ersten Jets des Unternehmens. Schwenk selbst beabsichtigt, sich komplett aus dem Verwaltungsrat zurückzuziehen. In seiner typisch direkten Art sagt er: «Ich bin Präsident oder nichts.» Trotzdem will er dem Unternehmen erhalten bleiben: «Pilatus ist wie eine Familie, da kann man nicht einfach davonlaufen.» Auf welche Weise genau er dem Flugzeughersteller treu bleibt, sei aber noch offen.

Mitarbeiter erhalten Bonus

Schwenks Nachfolger als VR-Präsident bei Pilatus steht schon fest: Hansueli Loosli. Der bekannte Ex-Verwaltungsratspräsident von Coop und Swisscom war erst letztes Jahr gemeinsam mit dem UBS-Manager Lukas Gähwiler in den Verwaltungsrat des Flugzeugbauers aus der Zentralschweiz gewählt worden. «Ich bin der Meinung, dass er die richtige Person ist», sagt Schwenk. Der 65-jährige Loosli hat erst vor wenigen Tagen seine Präsidiumsmandate beim Detailhändler und Telekomkonzern altershalber abgegeben.

Loosli übernimmt ein gesundes Unternehmen. Trotz Coronapandemie und der bekannten Einschränkungen in der Luftfahrt konnte Pilatus den Umsatz 2020 mit rund 1,1 Milliarden Franken nahezu auf dem Niveau von 2019 halten. Das Betriebsergebnis fiel mit 155 Millionen Franken sogar noch leicht besser aus (2019: 153 Millionen Franken). «Zwar haben wir das ganze Jahr von der Hand in den Mund gelebt», wie es Schwenk formuliert, «weil Lieferketten unterbrochen waren, mussten wir beispielsweise Teile aus Flugzeugen wieder ausbauen und in andere, die schneller geliefert werden mussten, einbauen.» Am Schluss hätten aber alle 129 bestellten Flugzeuge aus Stans ausgeliefert werden können. Wegen des guten Ergebnisses erhalten die Angestellten nun 1,5 Monatslöhne als Bonus. Denn auch das aktuelle Bestellbuch sei mit 1,7 Milliarden Franken gut gefüllt, sagt Schwenk erfreut.