Für Händler an der deutschen Grenze ist die Öffnung ein «Licht am Ende des Tunnels»

Ab Montag können Schweizerinnen und Schweizer wieder in Deutschland einkaufen gehen. Eine Erleichterung für die Händler, deren Kunden zu einem Drittel aus der Schweiz stammen. Derweil versuchen die Schweizer Detailhändler, die Kunden im Land zu behalten.

Drucken
Teilen
Ab Montag ist die Grenze zu Deutschland auch für Einkaufstouristen wieder offen.

Ab Montag ist die Grenze zu Deutschland auch für Einkaufstouristen wieder offen.

Reto Martin


(dpa/lsw/agl) Die bevorstehende vollständige Öffnung der Grenze Baden-Württembergs zur Schweiz sieht die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee für die Händler als «das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels». Ihr Hauptgeschäftsführer Claudius Marx teilte am Sonntag in Konstanz mit: «Wir freuen uns sehr auf und über diesen Moment.»

Kunden aus der Schweiz könnten nun wieder ungehindert im Südwesten einkaufen, einkehren und auch länger verweilen. Wegen der coronabedingten weitgehenden Schliessung der deutschen Grenzen hatten Schweizer nicht mehr so einfach im Südwesten einkaufen können. Für die Händler in der Region bedeutete das enorme Verluste. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums hatte am Samstag angekündigt, dass die Kontrollen der deutschen Grenzen infolge der Corona-Pandemie um Mitternacht in der Nacht auf Montag enden sollen.

Kunden aus der Schweiz machen nach Marx' Angaben im Schnitt ein Drittel, in einzelnen Branchen bis zu zwei Drittel der Kundschaft aus. Etwa 1,5 Milliarden Euro fliessen ihm zufolge jährlich in die Region. Wie hoch sich der Schaden am Ende der Corona-Pandemie aufsummieren wird und ob und wie viele Insolvenzen es bis dahin geben wird, sei momentan schwer absehbar.

Weniger Freude an der Grenzöffnung haben derweil die Detailhändler in der Schweiz. Wie die «Sonntagszeitung» berichtet, lanciert beispielsweise der Discounter Aldi Preissenkungen von bis zu 33 Prozent. «Wir wollen dem Einkaufstourismus entgegenwirken», sagte Aldi-Suisse-Chef Timo Schuster gegenüber der Zeitung. Auch Lidl plane Rabatt-Aktionen in grenznahen Filialen. Detailhandelsexperten beim Verband Swiss Retail Federation und bei der Credit Suisse gehen jedoch davon aus, dass der Einkaufstourismus bald wieder sein altes Niveau erreichen wird.