Gesundheit
CSS-Chefin: «Wir haben auf jeden Prämienfranken mit Argusaugen geschaut»

Der Luzerner Krankenversicherer CSS zeigt sich in der Krise resilient. Dank dem guten Ergebnis wurden Überschüsse aus der Grundversicherung bereits an die Kunden weitergegeben. Beim Blick nach vorn gibt sich das Unternehmen aber vorsichtig.

Gregory Remez
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CSS-Chefin Philomena Colatrella am Firmenhauptsitz in Luzern.

CSS-Chefin Philomena Colatrella am Firmenhauptsitz in Luzern.

Bild: Dominik Wunderli (13. Juli 2020)

Wer bezahlt den Coronatest? Und wer übernimmt im Fall einer Infektion mit dem Virus die Behandlungskosten? Auch über ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie lösen Fragen dieser Art bei vielen Schweizerinnen und Schweizern Verunsicherung aus. Letzten Frühling hatten die Krankenkassen im Einklang mit der damals frisch überarbeiteten Krankenpflege-Leistungsverordnung (LKV) verlauten lassen, dass sich die Versicherten keine Sorgen zu machen bräuchten. Die Kosten seien gedeckt. Auch CSS-Chefin Philomena Colatrella versicherte im Gespräch mit unserer Zeitung damals: «Die Tests und die Behandlungen im Zusammenhang mit Corona werden von den Krankenversicherern übernommen.»

Nun, ein Jahr später lautet die Bilanz beim grössten Grundversicherer des Landes: Rund 60 Millionen Franken haben stationäre Coronabehandlungen die CSS im Geschäftsjahr 2020 gekostet. Weitere 6,5 Millionen Franken musste die Luzerner Kasse für Coronatests aufwenden. Wobei man beachten muss, dass der Bund seit dem 25. Juni 2020 sämtliche Kosten sowohl für herkömmliche Coronatests (PCR) als auch Antigen-Schnelltests übernimmt. Ungeachtet dessen hatte es in den letzten Monaten wiederholt Fälle gegeben, bei denen Leistungserbringer – die CSS ausgenommen – für Tests zusätzliche Beiträge abrechneten, obwohl diese eigentlich vom Bund gedeckt sind.

Überschüsse an Versicherte weitergegeben

Trotz der vielen Unwägbarkeiten und der erwähnten Zusatzkosten blickt die CSS auf ein gutes Geschäftsjahr 2020 zurück. «Wir haben nicht nur unser Kerngeschäft vorangetrieben, sondern auch clever in neue digitale Angebote investiert», sagt Philomena Colatrella anlässlich der Publikation des Geschäftsberichts. Vorangetrieben hat die CSS unter anderem die digital unterstützte integrierte Versorgung. Gemeinsam mit Allianz Care, Visana und Zur Rose Group lancierte sie eine Gesundheitsplattform, die Versicherte, Ärzte, Apotheken und Krankenversicherer miteinander vernetzt. Weiter investierten die Luzerner ins Schweizer Start-up OnlineDoctor, das Menschen mit Hautproblemen berät, sowie das ETH-Spin-off Pregnolia, das Messgeräte zur Senkung von Frühgeburten herstellt.

Trotz eines Rückgangs des Unternehmensergebnisses von 205,1 Millionen Franken im Vorjahr auf nun 154,6 Millionen Franken steht die CSS nach eigenen Angaben weiterhin auf einem soliden finanziellen Fundament. Vom Gesamtgewinn entfielen diesmal 87,8 Millionen Franken auf die Grundversicherung, nach 80,6 Millionen Franken im Vorjahr:

Die CSS in Zahlen

(in Mio. Franken) 2020 2019
Unternehmensergebnis 154.6 205.1
davon KVG 87.8 80.6
davon VVG 99.9 114.5
Combined Ratio (Konzern) 97.3% 97.4%
Anzahl Versicherte (per 31.12.) 1'625'257 1'783'195
davon KVG 1'398'041 1'407'387
Personalbestand 2665 2768

Das gute Ergebnis habe es der CSS ermöglicht, zusätzliche versicherungstechnische Rückstellungen zu bilden und die Überschüsse aus der Grundversicherung bereits bei der Prämie für 2021 an die Kunden weiterzugeben, so Colatrella. «Wir haben auf jeden Prämienfranken mit Argusaugen geschaut.» Herausgekommen ist für die CSS-Versicherten eine durchschnittliche Prämiensenkung um 0,9 Prozent – während in der Branche die Prämien gleichzeitig um durchschnittlich 0,5 Prozent angehoben wurden.

Insgesamt 63'800 neue Grundversicherte stiessen im vergangenen Jahr zur CSS. Da konnte es das Management leicht verschmerzen, dass man mit dem Verkauf des Firmenkundengeschäfts an Zurich zu Beginn des letzten Jahres mit einem Schlag rund 187'000 Versicherte von insgesamt 30'000 KMU verloren hatte. Mit 1,45 Millionen Grundversicherten per 1. Januar 2021 bleibt die CSS im KVG-Geschäft Marktführer. Man habe in dem Bereich gar das grösste Nettowachstum in der Geschichte des Unternehmens verzeichnet, warf Finanzchef Armin Suter ein. Zudem weise die CSS bei den Heilungskostenversicherungen im Zusatzversicherungsbereich neu ebenfalls den höchsten Marktanteil aus.

Tieferes Ergebnis für 2021 erwartet

Mit Blick auf das laufende Jahr gibt man sich in der Luzerner CSS-Zentrale vorsichtig optimistisch. Während die finanzielle Situation weiterhin stabil bleiben dürfte, rechnet das Management im KVG-Bereich mit tieferen Ergebnissen als im Vorjahr – was sich negativ auf die nächste Prämienrunde auswirken könnte. Angesprochen auf die allgemeine Sorge vor einem starken Prämienanstieg im nächsten Jahr, hielt sich Colatrella zwar wie gewohnt bedeckt, verwies allerdings darauf, dass es bei der CSS in jüngster Vergangenheit keine derartigen Sprünge gegeben habe. «Wir sind in einer starken Position und wollen das auch bei der nächsten Prämienrunde berücksichtigen.»

Der weitere Einfluss der Pandemie auf die Leistungskosten werde eng beobachtet, es sei aber noch keine abschliessende Tendenz erkennbar, ergänzte Suter. Im Coronajahr 2020 hatte die CSS unter anderem von den tieferen Leistungskosten profitiert. Prognosen seien hier schwierig, weil auch noch nicht absehbar sei, wie lange die zweite Welle noch andauern werde, so Colatrella. «Was wir aber zum Beispiel in den ersten drei Monaten von 2021 festgestellt haben, ist eine Zunahme von Long-Covid-Behandlungen. Gerade Jugendliche machten mehr Ergotherapien oder Psychotherapien.» Aber auch hier sei es zu früh für definitive Aussagen.

Ansonsten ruhen aber auch bei der CSS die Hoffnungen auf der allmählich in die Gänge kommende Impfkampagne. Einer der Vorteile: Verwirrung rund um Kostenfragen dürfte es bei den Vakzinen kaum geben. Diese sind nämlich für alle Versicherten kostenlos, also von Franchise und Selbstbehalt befreit. Ein Teil der Kosten wird dabei von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen, der Rest von Bund und Kantonen.