Gewerkschaftsumfrage: Viele Coronainfizierte gingen nicht in Quarantäne

Die Coronakrise belastete die Arberbeitnehmenden sehr unterschiedlich, wie eine Umfrage des Gewerkschaftsdachverbands Travail Suisse zeigt. Dieser kritisiert den «Präsentismus» in der Schweizer Arbeitswelt.

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Der in der Schweiz verankerte Präsentismus dürfte dazu geführt haben, dass viele trotz Coronainfektion arbeiten gingen, so Travail Suisse. (Symbolbild)

Der in der Schweiz verankerte Präsentismus dürfte dazu geführt haben, dass viele trotz Coronainfektion arbeiten gingen, so Travail Suisse. (Symbolbild)

Keystone

(dpo) Eine überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmenden berichtet in einer Umfrage von Travail Suisse, dass sie die Hygienevorschriften des Bundes stark eingehalten hätten. Allerdings hätten sich mehr als 40 Prozent der mit Corona infizierten Arbeitnehmenden nicht in Quarantäne oder Selbstisolation begeben. Das dürfte in der teilweise mangelnden Entschädigung für den Erwerbsausfall und am stark verankerten «Präsentismus» in der Schweizer Arbeitswelt begründet liegen, schreibt Travail Suisse am Dienstag in einer Mitteilung.

Der Gewerkschaftsdachverband und die Berner Fachhochschule haben im Rahmen des «Barometer Gute Arbeit» eine repräsentative Umfrage bei 1'517 Arbeitnehmenden in der Schweiz zwischen dem am 8. Juni und dem am 5. Juli 2020 durchgeführt.

Gemäss der Umfrage berichtete ein grosser Teil der Arbeitnehmenden im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, dem Detailhandel und der öffentlichen Verwaltung über eine grössere Arbeitsbelastung. Für Familienhaushalte wiederum sei das angeordnete Homeoffice in Kombination mit Kinderbetreuung und Homeschooling die Quelle der eigentlichen Überlastung gewesen, heisst es in der Mitteilung. Vor allem bei Haushalten mit jüngeren Kindern bis 12 Jahren waren die Vereinbarkeitsprobleme aufgrund des Homeoffice stark erhöht.

Homeoffice: Mehr Selbstbestimmung, dafür Mehrarbeit

Während des Lockdowns habe rund die Hälfte der befragten Arbeitnehmenden im Homeoffice gearbeitet. Als positivste Auswirkungen des Homeoffice erlebten die Arbeitnehmenden den Wegfall des Arbeitsweges, den Schutz vor einer Corona-Infektion, mehr Selbstbestimmung bei der Arbeit und mehr Ruhe am Arbeitsplatz. Fehlende soziale Kontakte, eine mangelhafte Ergonomie und Mehrarbeit sowie zunehmende Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wurden hingegen als negativste Auswirkungen genannt.