Gipfel-Stadt Singapur: So tickt die Region, die der Schweiz wahrscheinlich das WEF abluchst

Der Inselstaat hat die Pandemie gut unter Kontrolle. Er ist aber aus weiteren Gründen häufig Austragungsort von Gipfeltreffen.

Fabian Kretschmer
Drucken
Teilen
Blick auf die globale Finanzmetropole Singapur im vergangenen Juli.

Blick auf die globale Finanzmetropole Singapur im vergangenen Juli.

Ore Huiying / Getty Images AsiaPac

Die täglichen Infektionszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Registrierten die Gesundheitsbehörden in Singapur noch bis Anfang August Fälle im mittleren dreistelligen Bereich, sind es längst nur mehr eine Hand voll. Ohne Frage hat der Inselstaat das Virus derzeit gut unter Kontrolle – das ganzjährig tropische Klima hat damit jedoch nur wenig zu tun.

Vor allem aggressive Kontaktverfolgung ist die Grundlage des epidemiologischen Erfolgs. Ganz gleich ob Büro, Einkaufszentrum oder Kino: Jeder Besucher muss vor dem Eintritt einen QR-Code mit seinem Smartphone scannen. Das Prozedere gilt als digitale Registrierung und sorgt dafür, dass potenzielle Verdachtsfälle umgehend kontaktiert werden können.

Gleichzeitig hat die Regierung die sogenannte «TraceTogether»-App eingeführt, die mithilfe von Bluetooth-Technologie aufspürt, ob man sich nahe einem Corona-Infizierten aufgehalten hat. Rund die Hälfte aller Bewohner haben die Corona-App installiert – noch deutlich weniger als die 70 Prozent, die sich die Regierung zum Ziel gesetzt hat.

Diejenigen, die kein Smartphone besitzen, können auf eine sogenannte «Digitalmünze» ausweichen – ein kleines Gerät, das im Prinzip wie eine Fussfessel genau den Aufenthaltsort des Trägers bestimmt. Eine solche Praxis mag für europäische Verhältnisse die Alarmglocken schrillen lassen, in Singapur hingegen gibt es – nicht zuletzt aufgrund der politischen Verhältnisse – keine offene Debatte über Datenschutzgesetze und Privatsphäre.

Beliebter Schauplatz für Kongresse und hohe Lebensqualität

Als sich Donald Trump und Kim Jong Un zum ersten Mal die Hand reichten, war der eigentliche Star des historischen Gipfeltreffens der Austragungsort Singapur. Die Wahl auf den Inselstaat war nicht zufällig gewählt: Singapur gilt als politisch stabil, verfügt über eine der effizientesten Behörden überhaupt und gilt als politisch vergleichsweise neutral. Aus diesen Gründen hat sich Singapur zum regionalen Zentrum für diplomatisch heikle Treffen entwickelt, unter anderem 2015 für das erste Präsidententreffen zwischen Taiwan und China. Vor allem haben die Staatschefs dort keine Proteste oder sonstige «Störaktionen» im autoritär regierten Inselstaat zu befürchten.

Die fünf Millionen Einwohner geniessen einen vergleichsweise hohen Lebensstandard, der Wohlstand ist bis auf die 450'000 Arbeitsmigranten aus Südasien recht weit verbreitet. Gleichzeitig gilt Singapur als überaus sauber, vor Einbrüchen sowie Gewaltverbrechen sicher und hat aufgrund seiner Multikulturalität die vielleicht spannendste Küche in der Region. Trotz seiner dichten Besiedlung und der futuristischen Skyline hat der Stadtstaat ein Übermass an Grünflächen, die oftmals in die Architektur integriert sind.