Arbeitnehmer sind zufrieden mit Homeoffice – Gewerkschaft fordert stärkere Kontrolle der Arbeitszeiten

Das Homeoffice während der Coronapandemie sorge für eine bessere Vereinbarkeit von Privat- und das Berufsleben. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft Syndicom. Diese sieht Handlungsbedarf bei der Einhaltung der vertraglich geregelten Arbeitszeiten.

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Laut einer neuen Umfrage wirkt sich das Homeoffice positiv auf viele Arbeitnehmende hierzulande aus.

Laut einer neuen Umfrage wirkt sich das Homeoffice positiv auf viele Arbeitnehmende hierzulande aus.

Keystone

(dpo) Seit dem Ausbruch des Coronavirus haben viele Schweizer Arbeitnehmende ihre beruflichen Tätigkeiten nach Hause verlegt. Eine Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der Gewerkschaft Syndicom zeigt nun, dass eine Mehrheit die neue Situation überwiegend positiv bewertet. So sind vier Fünftel der Befragten mit dem Homeoffice zufrieden, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Umfrage hervorgeht. Befragt wurden insgesamt 1126 Personen, die im März und April mindestens einen Tag im Homeoffice gearbeitet haben.

Zudem gab eine überwiegende Mehrheit an, dass die Kommunikation im Team gut sei und die digitale Zusammenarbeit funktioniere. Viele der Befragten möchten auch weiterhin im Homeoffice arbeiten und finden, dass die Arbeit von zu Hause aus als Ergänzung zur Arbeit vor Ort zugelassen werden soll.

Negative Auswirkungen macht die Umfrage hingegen bei den sozialen Kontakten aus. 64 Prozent äusserten, dass Homeoffice das Gefühl des Alleinseins fördere und beinahe drei Viertel gaben an, dass ihnen die informellen Kontakte im Team fehlten.

Deshalb könne es nicht im Interesse der Unternehmen sein, dauerhaft vollumfänglich Homeoffice anzuordnen, kommentierte Giorgio Pardini an einer Telefonkonferenz die Resultate der Umfrage: «Gefragt ist ein gesunder Mix, dessen Rahmenbedingungen sozialpartnerschaftlich vereinbart werden müssen», so der Leiter des Sektors ICT bei Syndicom.

Gewerkschaft will zusätzliche Kontrollen

Positive Auswirkungen des Homeffice sind laut Umfrage für viele auch im Privatleben spürbar. So sagten fast 80 Prozent, dass sie die Zeit, die sie ohne Arbeitsweg sparen, privat sinnvoll nutzen können. Viele sind zudem der Auffassung, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben dank Homeoffice gesteigert werde. Gleichzeitig scheint die Familie und Partnerschaft nur bei wenigen unter Homeoffice zu leiden.

Gemäss einer Schätzung von gfs.bern ist der Anteil an Arbeitnehmenden, die während des Lockdowns mehr als 6 Stunden im Homeoffice gearbeitet haben, um 335’000 Personen gestiegen. Die Anzahl Stunden, die im Homeoffice geleistet wurden, habe sich entsprechend verdreifacht. Vor dem Lockdown waren es im Mittel rund 10,5 Stunden pro Person und Woche, danach waren es 32 Stunden.

Hier sieht Giorgio Pardini dringenden Handlungsbedarf. Die Arbeit von zu Hause aus dürfe die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber den Beschäftigten nicht in Frage stellen. «Statt Schwächung des Schutzes im Arbeitsgesetz braucht es zusätzliche Kontrollen.» Weiter kritisiert der Gewerkschafter, dass 45 Prozent der Befragten von ihrem Arbeitgeber keinen Beitrag an die Kosten im Homeoffice erhalten.